Das Social Center 4 All in Leipzig

Hausbesetzungen als linke Antwort auf soziale Fragen?

 410 sommer 2016 Marco Pellegrino

"Die ehemalige Führerscheinstelle in der Platostraße ist besetzt" - diese Nachricht verbreitete sich am ersten März-Wochenende 2016 wie ein Lauffeuer in Leipzig. Genauso schnell, wie sie das Haus besetzten, machten die Besetzer_innen auch ihre Motivation dahinter klar: Sie forderten die Einrichtung eines Sozialen Zentrums für Alle, in dem es gerade für unterschiedlichste Marginalisierte in dieser Gesellschaft Raum zum Krafttanken, Kennenlernen und Vernetzen gibt. Doch warum jetzt? Wie entstand die Idee des Social Center 4 All und wie hat sich die Gruppe seit der Besetzung entwickelt? Im Folgenden eine Bestandsaufnahme. Weiterlesen

Gewaltfrei im Bürgerkrieg

Die anarchistische Ärztin Amparo Poch y Gascón (1902-1968), die Spanische Liga der Kriegsgegner und die Soziale Revolution in Spanien

 410 sommer 2016 Martin Baxmeyer

Eine große und eindrucksvolle Kundgebung hätte es werden sollen, zu der die anarchosyndikalistische Massengewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo (CNT) [‚Nationale Konföderation der Arbeit'] für den 18. Juli 1936 in Barcelona aufgerufen hatte. Ein mächtiger Protest der spanischen Bevölkerung und der ‚Völker der Welt', die in der katalanischen Hauptstadt zur ‚Gegen-Olympiade' gegen die im nationalsozialistischen Deutschland abgehaltenen Olympischen Sommerspiele zusammengekommen waren. Eine Demonstration gegen die immer größer werdende Kriegsgefahr in Europa. Namhafte Aktivistinnen und Aktivisten aus dem In- und Ausland waren als Rednerinnen und Redner vorgesehen, so etwa der deutsche Anarchosyndikalist Augustin Souchy oder Fidel Miró, der Kopf der anarchistischen Jugendorganisation. Grußadressen berühmter Genossinnen und Genossen sollten verlesen werden. Die CNT wollte ihre Ablehnung des Krieges und des Militarismus bekräftigen. Die Demonstration fand nie statt. Denn am selben Tag putschten in Spanien Teile des Militärs gegen die Zweite Republik. Der Spanische Bürgerkrieg brach aus, und Spaniens anti-militaristische Anarchisten zogen an die Front. Weiterlesen

Revolution oder Bürgerkrieg?

Zur Kritik der revolutionären Milizkonzeptionen in der Spanischen Revolution

 410 sommer 2016 Lou Marin

In den anarchistischen Diskussionen um die Verteidigung der Spanischen Revolution 1936 werden immer wieder die Positionen der Volksfront-Regierung und der Kommunistischen Partei: "Erst den Krieg gewinnen, dann die Revolution durchführen" der Maxime des "revolutionären Krieges" aufrechter AnarchistInnen entgegengesetzt, an die noch der italienische Anarchist Camillo Berneri die RegierungsanarchistInnen um García Oliver und Federica Montseny während und nach den Maikämpfen von Barcelona 1937 erinnert hat. Doch diese Polarisierung war nicht die einzige unter AnarchistInnen zur Zeit der Spanischen Revolution. Innerhalb der internationalen Solidaritätsbewegung (siehe Artikel auf Seite 10) sowie innerhalb Spaniens selbst gab es auch immer die gewaltkritische, bisweilen gewaltfreie Position, wonach Revolution und Bürgerkrieg an sich Gegensätze seien und sich anarchistische Ideale, wenn man sich durch die Konzeption der Milizen auf die gewaltsame Verteidigung der Revolution einließe, in ihr Gegenteil verkehrten. Trotz ihrer Überzeugung mischten gewaltfreie AnarchistInnen zum Teil in abenteuerlicher Weise kurzfristig bei den Kämpfen mit, um ihre Solidarität zu bezeugen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Solidarität mit oder ohne Waffen?

Bart de Ligt und die Positionen der anarchistisch-antimilitaristischen Bewegung in den Niederlanden zur internationalen Solidarität mit Spanien

 410 sommer 2016 Lou Marin

Zu Beginn der Spanischen Revolution von 1936 propagierten - aufgrund der hohen Popularität der indischen antikolonialen Massenbewegung gegen den britischen Kolonialismus Anfang der Dreißigerjahre innerhalb der europäischen Arbeiterbewegung - auch Bart de Ligt (1883-1938) und viele weitere AnarchistInnen und revolutionäre SyndikalistInnen in den Niederlanden die "asiatischen Kampfmittel", wie damals Streiks, Nicht-Zusammenarbeit, ziviler Ungehorsam, Boykott und gezielte Zerstörung von Sachen genannt wurden. Doch, so Bart de Ligt, obwohl es bei den Kämpfen der CNT und FAI eine lange Geschichte der Wirksamkeit dieser Methoden gebe, stoße solche Propaganda gerade bei den spanischen AnarchistInnen und SyndikalistInnen auf Gegenwehr, weil in Spanien gleichzeitig "eine Tradition sowohl kollektiver wie individueller Gewalt existiert, die scheinbar nur äußerst schwer überwunden werden kann". ((1)) Weiterlesen