Lebenslaute (Hg.)

Widerständige Musik an unmöglichen Orten

33 Jahre Lebenslaute

25,00

Auslieferung Anfang Januar: Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk von Musiker*innen. Ihre Konzertblockaden richten sich gegen staatliche Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus. Dieser Bild- und Dokumentationsband mit 180 fast durchgehend farbigen Fotos und zahlreichen Dokumenten ist sowohl ein Lesebuch als auch ein Bewegungs- und Geschichtsbuch.

Beschreibung

Auslieferung Anfang Januar

Lebenslaute (Hg.)
Widerständige Musik an unmöglichen Orten
33 Jahre Lebenslaute

Mit DVD

249 Seiten, 180 Fotos (fast durchgängig farbig) + zahlreiche Dokumente
Format: 21 x 28 cm
25,00 Euro
ISBN 978-3-939045-39-7

Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk von Musiker*innen. Ihre Konzertblockaden richten sich gegen staatliche Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus. „Widerständige Musik an unmöglichen Orten“ ist ein Lesebuch im alten Sinne: Nach dem Aufklappen bleibt der Blick irgendwo hängen und man fängt an zu lesen … Es ist ein Bewegungsbuch: Es dokumentiert und bewahrt die Erfahrungen einer Gewaltfreien Aktionsgruppe, die seit dreiunddreißig Jahren Zivilen Ungehorsam leistet. Es ist ein Geschichtsbuch: Die Geschichten von 1986 bis 2018 werden erzählt von langjährigen Aktivist*innen, neu Hinzugekommen, Profi- und Laienmusiker*innen, Unterstützer*innen und Wegbegleiter*innen unterschiedlichen Alters. Der Bild- und Dokumentationsband mit 180 fast durchgängig farbigen Fotos und zahlreichen Dokumenten reflektiert aber auch die Bedingungen, Notwendigkeiten und Konsequenzen dieser einzigartigen direkten Aktionen.

Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk von Musiker*innen. Wir haben nie zu Ende diskutiert, in was für einer Welt wir leben wollen. Aber wir haben angefangen, unsere Lebendigkeit und unsere Musik in unsere politischen Aktionen zu integrieren. Wir vertrauen auf die Kraft der Musik und nehmen doch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Kritik an Gewalt- und Herrschaftsstrukturen sowie um Schutz der Menschenrechte geht. Unsere Aktionen richten sich gegen herrschende staatliche Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Durchsetzung von Kapitalinteressen der Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus.

Unser Vertrauen in die gewaltreduzierende Kraft der Musik und in den allgemeinen Respekt gegenüber der Musikkultur verleiht uns den Mut zur Konfrontation. Die Aufführung eines klassischen Konzerts in schwarz-weißer Konzertkleidung bleibt eine solche, auch wenn sie gleichzeitig die Blockade der Zufahrt zu einer Rüstungsfabrik ist. Indem wir gleichzeitig Musiker*innen und Ruhestörer*innen sind, irritieren wir und öffnen Augen, Herzen und Ohren für unsere Inhalte.

(Aus dem Vorwort)

Inhaltsverzeichnis

Selbstdarstellung

Vorwort

Einleitung

Einstiegsdroge in den Ungehorsam – Wolfgang Hauptfleisch (2004)

Aachener Friedenspreis 2014: Rede von Lebenslaute

Aachener Friedenspreis 2014: Auszug aus der Laudatio

Konzertaktionen 1986 bis 2018

1986 Mutlangen: Erste Lebenslaute-Konzertblockade – Frieder Dehlinger

1987 Heilbronn: DEPOT-ZUkunftsMUSIK – Frieder Kapp

1988 Wackersdorf: Unterstützung aus der Region – Wolfgang Dehlinger

1989 Schlutup/Lübeck: Dem Wasser eine Stimme geben – Kirsten Hohn

1990 Hanau: Mit Mozart gegen Mox – Frauke Mangels

1991 Frankfurt/Main: Trauermusik an der Rhein-Main Airbase Frankfurt

1992 Gruorn: Albtraum Münsingen – Barbara Rodi, Jörg Weimer

1993 Gruorn: Wie eine Aktion verhindert wurde

1994 Gorleben: Musikalischer Einstieg in den atomaren Ausstieg – Lebenslaute, Regionalgruppe Wendland

1995 Wittstock: Lebenslaute statt Bombengetöse – Sabine Will, Andreas Will

1996 Hamburg: Verabschiedung des 25.000ten Flüchtlings (Satire) – Gisela Sauerland

1997 Ahaus

1998 Bielefeld: Seid Sand im Getriebe – Elisabeth Reinhardt

1999 Biblis: Abschiedssinfonie an die Atomenergie

2000 Wittstock: Lebenslaute in der Freien Heide – Sabine Will

2001 Frankfurt/Main: Musik gegen Grenzen – Bettina Weber

2002 Wittstock: Pink Point – Sabine Will

2003 Stuttgart: Lebenslaute statt Kriegskommandos – Bernd Geisler

2004 Wittstock: Bomben nein, wir gehen rein – Anna Will

2005 Bielefeld: Blockade der Zentralen Ausländerbehörde – Gerd Büntzly

2006 Badingen/Brandenburg: Lieber wild musiziert als genmanipuliert – Clara Tempel

2007 Wittstock: Von der Heide bis zum Strand. Bombodrom und G8-Treffen verhindern. Mein Weg zu Lebenslaute – Rhony Bajohr

2008 Lübeck: Töne und Klänge statt Grenzen und Zwänge – Sabine Albrecht

2009 Gorleben: A-Moll statt A-Müll – Andreas Will

Akku-Schrauber machen auch Musik – Christoph Ziemann

2010 Colbitz-Letzlinger Heide: Geigentöne statt Kriegsgedröhne – Gerd Büntzly

2011 Leipzig: Piano und Forte statt Kriegstransporte – Katinka Poensgen

2012 Oberndorf: Waffenhandwerk schafft nur Unheil – Ekkehard Hausen

2013 (Juni) Berlin: Aufspielen statt Abschieben – Music For Free Movement – Andreas Will

2013 (August) Büchel: Aufspielen statt Aufrüsten – Gela Böhne

2014 Eisenhüttenstadt: Musikpalast statt Abschiebeknast – Leonie Sontheimer

2015 Hambacher Forst: Andante an der Kante – Hedwig Sauer-Gürth

2016 Stuttgart: Schlussakkord dem Drohnenmord – Ekkehard Hausen

2017 Jagel: Von Bass bis Sopran – gemeinsam gegen Rüstungswahn – Christoph Büntzly

2018 Köln: Mit Suite und Kantate gegen den Staat im Staate – Tina Lipps

2018 Hambacher Forst: Eine „kleine“ Aktion, die erstaunlich groß wurde – Armin Olunczek

Reflexionen

3.1 Struktur

Vom Januartreffen zur Sommeraktion – Sabine Will

Regionale Aktionen, regionale Gruppen – Gerd Büntzly

3.2 Aktionskunst

Die Musik von Lebenslaute – Gerd Büntzly

Die Sprache der Symbole bei Lebenslaute – Gerd Büntzly

Bannerkunst – Hedwig Sauer-Gürth

3.3 Persönliche Erfahrungen

Erster Schritt zur Friedensarbeiterin – Ulrike Laubenthal

Geschlechterkonflikte und Frauenurlaube – Kirsten Hohn

Als Cellistin bei Lebenslaute – Christine Altmann

Kontakt mit der Polizei – Winfrid Eisenberg

3.4 Zusammenarbeit mit anderen Gruppen

Lebenslaute für eine FREIe HEIDe – Eckehard Häßler

Zusammenarbeit mit einer Flüchtlingsinitiative – Larissa Gulitz

Zu Gast bei der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten – Lore Weber

Lebenslaute bucht man nicht – Detlef Mielke

3.5 Juristisches

Gewaltfreie Sitzblockaden sind keine Nötigung – Winfrid Eisenberg

Aktionen und ihre juristischen Folgen – Katja Tempel

3.6 Backstage

Kulinarische Weltverbesserung – Wam Kat

Bekomme ich jetzt noch eine Stirnlampe? – Heinz Wittmer

Als Freiwillige bei der Aktionsunterstützung – Annett Loewe

Ein ganz normaler AU-Tag – Andreas Will

Spielen für den Frieden – Conny Weigel

ZUGABe(n) gibt es nicht nur in der Musik – Katja Tempel

Anhang

Konzertprogramme 1986 bis 2018

Literaturverzeichnis

Danksagung

Kontaktadressen

Plakate, Flugblätter, Handbücher

Vorwort

Im Waldheim auf der Schwäbischen Alb hätte 1986 wohl niemand daran gedacht, dass es die Lebenslaute nach dreiunddreißig Jahren immer noch geben würde. Während 1986 hochkonzentriert ein Wochenende lang vor der Konzertaktion geplant, geprobt und diskutiert wurde, waren es 2018 sechs Tage. Schon damals gab es die Spannung zwischen hochwertiger Musik und guter Aktionsplanung: Dies Gesamtkunstwerk stellt uns jedes Jahr neu vor eine musikalische, soziale, intellektuelle und organisatorische Herausforderung. Vielleicht ist es die gemeinsame Suche nach der richtigen Mischung, die Lebenslaute in den letzten Jahrzehnten jung gehalten hat.

Als wir begannen, an der Konzeption für eine Dokumentation von „30 Jahre Lebenslaute“ zu arbeiten, war uns Fünfen aus dem Redaktionsteam nicht klar, dass drei Jahre vergehen würden, bis das gedruckte Buch vor uns liegen würde. So kam es zu „33 Jahre Lebenslaute“. Die ersten Ideen gingen in Richtung einer Broschüre mit 40 bis 50 Seiten. Uns wurde dann aber schnell klar, dass wir auf alle bundesweiten Aktionen zurückschauen wollen. Das würde mehr als 100 Seiten beanspruchen. Weitere Ideen wurden in das Projekt aufgenommen. Jetzt liegt das Buch in eurer Hand und es umfasst mehr als 200 Seiten.

Wir sind durch einen langen Prozess miteinander gegangen: Soll das Buch eine Dokumentation, eine Erinnerung oder eine Reflexion der Aktionen sein? Korrigieren wir Artikel mit „fehlerhaft“ erinnerten Aktionen? Soll es eine Innen- oder Außenansicht sein? Wie gehen wir mit Veränderungen der politischen Situation und Kultur im Verlauf der Jahrzehnte um? Wie gendern wir? Wir haben uns bemüht, dokumentarisch-authentisch zu sein, einen Rückblick zu wagen, in dem die subjektive Vielfalt der Menschen bei Lebenslaute und die Dokumentation der Geschichte von Lebenslaute gleichberechtigt abgebildet sind.

Zum Einstieg in die lange Geschichte der Lebenslaute findet ihr Texte der Lebenslaute-Community aus drei Jahrzehnten, die für unsere eigene (Presse-)Öffentlichkeitsarbeit verfasst wurden.

Im zweiten Kapitel dokumentieren und beschreiben wir die bundesweiten Aktionen. In fast jedem Jahr fand eine große Sommeraktion statt, in wenigen Jahren keine, in manchen sogar zwei. Teilweise haben wir die von den mehr als 30 Autor*innen verfassten Texte noch in einen politisch/sachlich/musikalischen Rahmen gestellt. In manchen Beiträgen bleiben Fragezeichen (nicht nur bei den Leser*innen, auch bei uns als Redaktionsteam). Wir haben einige Widersprüche bewusst stehen gelassen, sie nicht korrigiert. Denn Geschichte als His-Story ist in sich nie objektiv. Es entstand daraus Our-Story und wir hoffen, ihr lasst euch mit auf diese Reise in die Vergangenheit nehmen.

In einem dritten Teil beschreiben und reflektieren wir unsere Praxis und runden dieses Projekt mit einem Anhang ab, in dem unter anderem das komplette Musikprogramm aller Konzerte aufs Durchstöbern wartet.

Es ist kein Buch, welches von vorne nach hinten gelesen werden muss. Es ist auch kein Fotoband (auch wenn viele Fotos in zum Teil mäßiger Qualität enthalten sind). Vielmehr verstehen wir es als Lese-Buch im alten Sinne: Man klappt es auf, irgendwo bleibt der Blick hängen, die Finger blättern zurück, die Augen fangen an zu betrachten und zu lesen …

Es ist ein Bewegungsbuch: Es dokumentiert und bewahrt die Erfahrungen einer Gewaltfreien Aktionsgruppe, die im deutschen Sprachraum die am längsten existierende Gruppe ist, die kontinuierlich seit dreiunddreißig Jahren Zivilen Ungehorsam leistet.

Es ist ein Geschichtsbuch: Die Geschichten von 1986 bis 2018 werden erzählt von jungen Frauen und Männern, neu Hinzugekommen, langjährigen Aktivist*innen, Profi- und Laienmusiker*innen, Unterstützer*innen und Wegbegleiter*innen unterschiedlichen Alters. Jeder Artikel ist subjektiv gefärbt, entspringt Erinnerungen, privaten Archiven und Recherchen. Es mag sein, dass der eine oder andere Artikel befremdet oder bruchstückhaft wirkt. Das soll so sein. Lebenslaute ist keine homogene Gruppe.

Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk unterschiedlicher Menschen. Wir haben nie zu Ende diskutiert, in was für einer Welt wir leben wollen. Aber wir haben angefangen, unsere Lebendigkeit und unsere Musik in unsere politischen Aktionen zu integrieren. Wir konfrontieren immer wieder unser Gegenüber mit unserer Verletzlichkeit und der unserer Instrumente. Wir sammeln Kraft im gemeinsamen Musizieren und berühren die Menschen, die wir kritisieren. Wir vertrauen auf die Kraft der Musik und nehmen doch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Kritik an Gewalt- und Herrschaftsstrukturen sowie um Schutz der Menschenrechte geht. Unsere Aktionen richten sich gegen herrschende staatliche Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Durchsetzung von Kapitalinteressen der Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus.

Unser Vertrauen in die gewaltreduzierende Kraft der Musik und in den allgemeinen Respekt gegenüber der Musikkultur verleiht uns den Mut zur Konfrontation. Die Aufführung eines klassischen Konzerts in schwarz-weißer Konzertkleidung bleibt eine solche, auch wenn sie gleichzeitig die Blockade der Zufahrt zu einer Rüstungsfabrik ist. Indem wir gleichzeitig Musiker*innen und Ruhestörer*innen sind, irritieren wir und öffnen Augen, Herzen und Ohren für die Inhalte.

Wir wünschen euch allen einen Lesegenuss, wo auch immer ihr dieses Buch in der Hand haltet: zu Hause, im Zug, am Strand, auf einem Baumhaus im Hambacher Forst, bei einer Blockade vor einem Atomwaffenlager, in einem Archiv oder in der Pause einer Orchesterprobe.

Werdet und bleibt kreativ im Kampf für eine gerechte Welt: lebens-laut oder lebens-leise.

Das Redaktionsteam

Andreas Will, Gerd Büntzly, Hedi Sauer-Gürth, Katja Tempel und Sabine Will

Leseprobe

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