graswurzelrevolution
210 sommer 1996
aktuelle ausgabe abo & service archiv buchverlag news & infos vernetzung über uns graswurzelladen home
stern / zerbrochenes gewehr
aktionssommer
>> 210 sommer 1996

Wir lassen jetzt nicht mehr locker!

Ziviler Ungehorsam und direkte gewaltfreie Aktionen gegen staatlichen Rassismus

Unter dem Motto "Wir lassen jetzt nicht mehr locker!" finden im August, organisiert und vorbereitet von der AG Ziviler Ungehorsam gegen staatlichen Rassismus, Aktionstage in Hamburg statt. Mittels gewaltfreier Aktionen und Aktionen Zivilen Ungehorsams soll der staatliche Rassismus thematisiert und die Forderung nach offenen Grenzen und Bleiberecht für Alle in den Mittelpunkt gestellt werden. Wir dokumentieren den Aufruftext. (Red.)

Im Vordergrund dieser Aktionstage steht die unmenschliche und unbarmherzige staatliche Verordnungs-, Versorgungs-, Verwaltungs- und Abschiebemaschinerie. Diese arbeitsteilige Maschinerie, in der schließlich niemand mehr für das Schicksal der betroffenen Menschen verantwortlich sein will, ist das vorrangige Ziel der unterschiedlichen Aktionen.

Während der Aktionstage soll diesem erbarmungslosen Treiben Einhalt geboten werden, soll die Bürokratie behindert, die Arbeitsteilung aufgedeckt und die Verantwortung der am Asyl-Unrecht und Abschiebung beteiligten Personen deutlich gemacht werden. Abschiebungen und Abschiebehaft werden skandalisiert und in dieser Woche möglichst be- bzw. verhindert.

Das Tribunal gegen die Stadt Hamburg vom 2. bis 4. Februar in Hamburg-Altona, ausgerichtet von örtlichen Asyl- und Flüchtlingsgruppen (vgl. GWR 206), hat in einer Vielzahl von Beispielen gezeigt, wie Willkür und unmenschliche Behandlung gegenüber Flüchtlingen durch Behörden und Polizei ständig zunehmen. Im Rahmen des Tribunals wurden neben einer sehr detaillierten Analyse der hamburgischen Verhältnisse, die gesetzlichen und administrativen Grundlagen hervorgehoben, die den staatlichen Rassismus in Form von Sondergesetzen und Sonderbehandlung auszeichnen.

Die Untersuchungen und Ergebnisse des Tribunals bilden eine wesentliche Voraussetzung für die Aktionstage, die ein weiteres Mittel sind, bestehendes und fortgesetzes Unrecht aufzuzeigen, zu dramatisieren und dabei Möglichkeiten anzubieten, dieses Unrecht zu überwinden.

Wenngleich die Aktionen unbequem, ungehorsam und gewaltfrei sein werden (keine menschenverletzenden Handlungen), so sind nicht nur ausdrücklich gewaltfreie Gruppen und Einzelpersonen zur Teilnahme aufgerufen. Gemeinsam mit allen Anti-Rassismus, Asyl- und Flüchtlingsgruppen soll der Rassismus kenntlich gemacht werden, der zur normalen politisch-administrativen Alltagspraxis geworden ist. Die Verantwortlichen und Beteiligten werden aufgefordert, ihr unmenschliches Tun einzustellen (z.B. "Sag Nein"-Appell). Dazu sind die vielfältigsten Aktionen möglich und notwendig, die den Abschottungs-Mißhandlungs-Deportationsapparat kennzeichnen, behindern und überwinden helfen.

Neben einer Vielzahl bereits geplanter Aktionen in Hamburg soll mit dem geplanten Aktionscamp in der Nähe vom Abschiebeknast Glasmoor in diesen Tagen die Isolation der dort Gefangenen aufgehoben und gegen Abschiebehaft und Abschiebung protestiert werden. Da gewaltfreie Aktionen und Aktionen Zivilen Ungehorsams gegen staatlichen Rassismus zu Konflikten mit der Staatsgewalt führen können, ist eine gute Vorbereitung für die Aktionsgruppen besonders wichtig. Bei Beratungs- und Koordinierungstreffen vor und während der Aktionstage sollen die verschiedenen Ideen und Aktionsansätze vorgestellt und aufeinander abgestimmt werden.

>> zurück zum inhaltsverzeichnis

Volltextsuche
Themen
Ausgaben

Artikel zum gleichen Thema

"Großes Abschiebungspotenzial"

Aachen und Paderborn treiben Jugendliche in die Illegalität

"Freiwillige Ausreise"
318 april 2007

200 Gefangene gesucht
315 januar 2007

Die Würde des Menschen
314 dezember 2006

Deutschland blüht auf
309 mai 2006

Keine Gnade für Geduldete
305 januar 2006

Outsourcing des Flüchtlingsschutzes
303 november 2005

Gewaltfreie Inspektion am Abschiebelager Bramsche-Hesepe
news & infos 31.8.2005

Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen (1993 bis 2004)
298 april 2005

Ausreisezentren, Arbeitsverbot, Aushungern
297 märz 2005

Ganz unten
292 oktober 2004

Im Frühling schiebt sich's leichter ab
288 april 2004

Grundrechtswidriger Umgang mit dem Internationalen Grenzcamp
news & infos 17.8.2003

Keine Festung Europa - No fortress Europe - Pas de fortresse europe
news & infos 20.6.2003

Out of control
news & infos 7.6.2003

Der feste Griff des staatlichen Rassismus
279 mai 2003

Kampagne "Roma bleiben hier"
275 januar 2003

Eine Geschichte aus Deutschland
273 november 2002

Rassismus als staatliche Gewalt
260 sommer 2001

Papiere für Alle - Illegalisierte legalisieren
259 mai 2001

Überall ist Dover
251 september 2000

Antirassistische Aktion gegen die Lufthansa

Go-In und Kundgebung bei LH-Ausbildungszentrum

Keine weiteren Abschiebungen mit Lufthansa!
249 mai 2000

"Die Jahrhundertreform"
238 april 1999

Ein Jahr Wanderkirchenasyl
236 februar 1999

Migration und transnationale Solidarität
232 oktober 1998

Alltäglicher institutioneller Rassismus
230 sommer 1998

Aufbegehren gegen ein Kontinuum der Rechtlosigkeit
228 april 1998

Zwangsarbeit und Internierungslager für Flüchtlinge

Passauer Aktion Zivilcourage

Gegen jeden rechten Konsens!
227 märz 1998

Rassismus auf dem Vormarsch

Kein Mensch ist illegal
226 februar 1998

Von den "Sans-Papiers" lernen!
223 november 1997

Gerhard Schröders Kriminalitäts-Rassismus
221 september 1997

Aktionstage gegen staatlichen Rassismus
210 sommer 1996





Kontakt

Graswurzelwerkstatt
Scharnhorststraße 6
50733 Köln
Tel.: 0221/765842
Fax: 765889

 aktuelle ausgabe   abo & service   archiv   buchverlag   news & infos   vernetzung   über uns   graswurzelladen   home 
graswurzelrevolution redaktion@graswurzel.net / www webmaster@graswurzel.net