Bücherverbrennung 2019

Kein Buch verdient den Scheiterhaufen

 440 juni 2019 Monika Kupczyk

Erich Kästner: „Mit solchen Methoden kann man zwar ein Volk vernichten, Bücher aber nicht. Sie sterben nur eines natürlichen Todes. Sie sterben, wenn ihre Zeit erfüllt ist. Man kann von ihrem Lebensfaden nicht eine Minute abschneiden, abreißen oder absengen. Bücher, das wissen wir nun, kann man nicht verbrennen.“ Am 31. März 2019, einem Sonntag, hat die polnische Stiftung „SMS aus dem Himmel“ auf ihrer Facebook-Seite Fotos einer Bücherverbrennung veröffentlicht. Die Priester dieser Stiftung haben mit Unterstützung ihrer Ministranten in Danzig zahlreiche Bücher verbrannt. Die für den Scheiterhaufen gewählten Titel sollen frevelhaft gewesen sein. Die Aktion wurde in Polen, als auch weltweit heftig kritisiert. Weiterlesen

Deutschlands Mitte – rechts daneben

Ein Bericht über die Fuldaer Verhältnisse

 440 juni 2019 Peter Nowak

Die osthessische Stadt Fulda ist vielen als Umsteigebahnhof bekannt. Manche haben auch schon mal das Fuldaer Barockviertel besucht. Dort bekommt man mit, dass Fulda eine Bischofsstadt ist und lange Zeit auch als Hort eines besonders reaktionären Katholizismus galt. Das waren die Zeiten, als der rechtskonservative Bischof Dyba und der extrem rechte CDU-Stahlhelmer Alfred Dregger als Oberbürgermeister die Hegemonie über die Stadt hatten. Weiterlesen

Libertäre Strategien gegen den Nationalismus

Eine freie Gesellschaft beruht auf der Gleichwertigkeit aller Individuen

 440 juni 2019 Wolfgang Haug

Von 1968 bis 1978 erreichten die sozialen Bewegungen in der Gesellschaft der Bundesrepublik zunehmend Einfluss oder, um mit Gramsci zu sprechen, sie prägten die „kulturelle Hegemonie“. Der Anspruch öffentliches und privates Leben nicht mehr zu trennen, sorgte für die Aufbruchstimmung der Alternativkultur. Selbstorganisation und das Interesse an der Politik in Verbindung mit dem eigenen Alltag wurde zur Leitlinie. Die Erfahrungen, die von vielen gemacht wurden, euphorisierten und für kurze Zeit konnte man den Eindruck bekommen, dass sich eine Generation auf den Weg gemacht hatte, die langweilige erzkonservative Gesellschaft umzuwälzen. Weiterlesen

Rechte reden nicht

Kritik der emblematischen Sprache. Mit Rechten reden?

 440 juni 2019 Andreas Kemper

Die Frage, ob man mit Rechten reden soll, ist nach wie vor aktuell. Nicht nur AfD-Mitglieder, sondern auch Vertreter*innen der Neuen Rechten werden auf Podien, zu Talkshows oder öffentlichen Gesprächen eingeladen. Inzwischen sind Publikationen zu dieser Thematik erschienen. Es gehöre zum demokratischen Prozess, niemanden auszugrenzen, auch diejenigen nicht, die ausgrenzen wollen. Man müsse die Rechten argumentativ stellen, mit den besseren Argumenten deren Positionen auseinandernehmen. In diesem Artikel stelle ich in Frage, ob Rechte überhaupt reden, wobei zunächst definiert werden muss, was ich hier unter ‘Rechte’ und was ich unter ‘reden’ verstehe. Weiterlesen

Nazis reinlegen!

Ein Interview mit dem Kommunikationsguerillero Thomas Billstein

 437 märz 2019 Thomas Billstein

Als im November 2018 der Protest der Gelben Westen in Frankreich an Fahrt aufnahm (vgl. GWR 435), fanden sich auch schnell in Deutschland Menschen, die die Aktionsformen kopieren wollten. Schon frühzeitig war klar, dass es sich bei den meisten gelben Westen in Deutschland um eine illustre Mischung aus Reichsbürgern, AfD Sympathisant*innen und Vollgasfreaks handelt, die mit einer Mixtur aus faszinierender Naivität, Vorurteilen und deutschem Ordnungsdenken eine Art nationale Revolte herbeisehnten. Der Twitter-Aktivist Thomas Billstein hat im Zuge dessen eine vermeintlich offizielle Seite der deutschen gelben Westen ins Leben gerufen und sowohl die deutschtümelnden, als auch aufmerksame Beobachter und sogar den „faktenfinder“ der tagesschau an der Nase herumgeführt. Grund genug, mit ihm ein Interview zum Kommunikations-Guerilla-Streich zu führen. Weiterlesen