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Von Gorleben nach Ahaus!

Neue Ansätze für den Widerstand gegen Castor-Transporte

Bisher stand die Ahauser Castor-Halle völlig im Schatten ihrer weitaus berühmteren Schwesterhalle in Gorleben. Doch das hat sich seit dem dritten Castor- Transport nach Gorleben im März ganz erheblich geändert. Kurz nach dem Transport hatten nämlich die BetreiberInnen des AKWs Neckarwestheim verlauten lassen, daß sie, da Castor-Transporte nach Gorleben wegen des starken Widerstandes vorläufig unmöglich seien, halt nach Ahaus ausweichen würden. (Red.)

Spätestens seit dieser Ankündigung ist in der Bundesweiten Anti-Atom-Bewegung klar: Das Zentrale Thema ist Ahaus.

Ahauser Widerstand

Ahaus hat, im Gegensatz zu Gorleben, keine zwanzigjährige Tradition des Widerstands der Straße. Zwar gibt es seit den siebziger Jahren die "Bürgerinitiative kein Atommüll nach Ahaus". Diese organisierte bisher aber hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit, Einwendungen und Prozesse gegen das BZA (Brennelemente Zwischenlager Ahaus), ohne dabei auf besonders große Resonanz zu stoßen. Die beiden Hauptargumente gegen den Widerstand gegen das BZA waren immer: "Die bezahlen gut dafür, daß sie hier sind!" und "Man kann ja eh nichts machen!". Das erste Argument hat bei über 160 Millionen DM, die die Stadt Ahaus bisher von der Atomlobby erhalten hat, etwas (im wahrsten Sinne des Wortes) bestechendes. Das zweite Argument wirkt seit den jüngsten Erfolgen der Anti-Atom-Bewegung in Gorleben anscheinend auch in Ahaus nicht mehr.

Und so läßt sich beim Ahauser Widerstand ein deutlicher Aufwärtstrend beobachten. So haben sich zum Beispiel die TeilnehmerInnenzahlen bei den Sonntagsspaziergängen, die an jedem dritten Sonntag im Monat rund ums BZA stattfinden, von 50 im Januar, über 100 und 200 im Februar und März auf über 500 im April, monatlich mindestens verdoppelt. Und an einer Demonstration am 1. Mai anläßlich des traditionellen Maifestes der BI (Bürgerinitiative) nahmen sogar 1 500 Menschen Teil, von denen 350 extra aus dem Wendland angereist waren, um ihren Willen, sich auch in Ahaus quer zu stellen, zu untermauern. Auch waren das erste mal seit 18 Jahren wieder Bauern mit Treckern auf der Straße. Und zwar nicht 10, wie die BI vorher optimistisch hoffte, sondern über 30. Und nach der Abschlußkundgebung vor dem Zwischenlager zogen noch viele um selbiges herum zum BZA-eigenen Schienenanschluß, um diesen (auch das eine Premiere im Ahauser Widerstand) alles andere als nur symbolisch zu unterhöhlen.

Fingerspitzengefühl gefragt

Das alles macht noch lange keine Gorlebener Verhältnisse, ist aber geeignet, die schlimmsten Befürchtungen der Atomlobby zum Thema "stilles Ausweichlager Ahaus" zu übertreffen, wenn... - Ja, wenn die Anti-Atom- Bewegung genügend Fingerspitzengefühl beweist. Zwar kam aus Ahaus kaum Kritik an der friedlichen, freundlichen und offenen Schienendemontage am 1. Mai. Aber nun anzunehmen, daß alles, was im Wendland ging auch in Ahaus geht, wäre ein Trugschluß. Widerstand muß wachsen. Und das an jedem Standort neu. Und noch ist ja auch nicht Tag-X.

Die Erweiterungsgenehmigung für das Castor-Lager in Ahaus wird im Herbst diesen Jahres erwartet. Erst danach ist mit einem Transport zu rechnen. Und es ist durchaus möglich, daß dieser erst im Frühjahr 98 stattfindet, da Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen anscheinend ziemlichen Respekt vor dem neuen rasch wachsenden Widerstand hat. Die Zeit bis dahin gilt es zu nutzen. So sollte mensch zur Vorbereitung schon mal nach Ahaus fahren, z.B. zum Sonntagsspaziergang, oder zu dem Aktionstag, der voraussichtlich im Herbst stattfinden wird, um sich ortskundig zu machen und schon mal Kontakt aufzunehmen. Auch müssen neue Widerstandskonzepte erarbeitet werden. Nicht nur wegen der notwendigen Rücksicht auf die Akzeptanz in der Bevölkerung, auch, weil die örtlichen Gegebenheiten ganz andere sind. Es wird in Ahaus keinen Straßentransport geben, da das BZA einen Schienenanschluß hat, der mit seinen nur veireinhalb Kilometern Länge zudem relativ gut zu sichern ist. Die beiden Bahnlinien nach Ahaus (beides Nebenstrecken) werden also als Aktionsorte interessant.

Von den Gruppen in Ahaus selbst ist bis jetzt bekannt, daß die Bürgerinitiative für den Tag-X wohl eine große Sitzblockade am Ahauser Bahnhof, der Stelle, wo das Castor-Gleis vom öffentlichen Gleis abgeht, plant, und Ahauser UWG-Jugend, die am ehesten dem Spektrum der gewaltfreien Aktionsgruppen zuzuordnen ist, sich voraussichtlich auf das Schaffen von Infrastruktur für Auswärtige konzentrieren wird.

Unter diesen Voraussetzungen könnte sich für den Tag-X ein Ausbau der schon im Wendland sehr erfolgreichen Aktionsform des Festschließens in all ihren phantasievollen Varianten (Ich zähle da auch das Abseilen vor den Castor zu.) spannend sein. Unter anderem, weil sie viele Sympathien bringt, den Castor lange aufhält (so daß z.B. viele Menschen, die erst auf dem falschen Gleis waren, noch das Gleis wechseln können) und auf Schienen wesentlich einfacher durchzuführen ist, als auf Straßen.

Was zum Beispiel, wenn sich hunderte, oder gar Tausende, bei der großen Sitzblockade am Bahnhof einfach mit Fahrradschlössern festschließen würden? Oder die Polizei nicht die Schienen nicht nur einmal auseinanderreißen muß um Menschen davon zu entfernen, wie im Wendland, sondern zehn Mal?

Erfolgreich wird der Widerstand in Ahaus dann gewesen sein, wenn nach dem nächsten Tag-X noch mehr Menschen aus Ahaus und dem Bundesgebiet bereit sind, sich quer zu stellen, als davor.

Michael Friedrich
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Die Infam organisiert das überregionale Delegiertentreffen, das nach den, jeden 3. Sonntag um 14.00 Uhr um das BZA gehenden, Sonntagsspaziergängen stattfindet.


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