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Die Verfolgung der Roma und Sinti
"Er ruft streicht dunkler die Geigen dann
steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng"
Paul Celan, "Todesfuge"
Am 22. Februar 1950 erging vom baden-württembergischen Innenministerium
unter dem Aktenzeichen 2021330 folgender Runderlass an die Wiedergutmachungsbehörden:
"Die Prüfung der Wiedergutmachungsberechtigung der
Zigeuner und Zigeuner-Mischlinge nach den Vorschriften des Entschädigungsgesetzes
hat zu dem Ergebnis geführt, daß der genannte Personenkreis
überwiegend nicht aus rassischen Gründen, sondern
wegen seiner Asozialen und kriminellen Haltung verfolgt und
inhaftiert worden ist. Da ferner Zigeuner und Zigeuner-Mischlinge
vielfach über keinen festen Wohnsitz verfügen, sondern
im Lande umherziehen, muß auch damit gerechnet werden,
daß Doppelanträge gestellt werden.(...) Aus diesen
Gründen ordnen wir hiermit an, daß Wiedergutmachungsanträge
von Zigeunern oder Zigeuner-Mischlingen zunächst dem Landesamt
für Kriminal-Erkennungsdienst, Stuttgart-O (...) zur Überprüfung
zugeleitet werden. Das Landesamt Stuttgart wird seine Ermittlungen
in Zusammenarbeit mit dem Zentralamt für Kriminal-Identifizierung
und Polizeistatistik in München und der Kriminal-Hauptstelle,
Landfahrerpolizeistelle der Landespolizei in Karlsruhe durchführen.
Gez.: Küster" (1)
Im Gegensatz zur wohldokumentierten Geschichte des Antisemitismus
und der Judenverfolgung in Deutschland ist eine unfassende historische
Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Roma und Sinti bis heute
weitgehend unterblieben - wortreiche, unverbindliche Beteuerungen
"deutscher Verantwortung" seitens der Politik leisten dieser
Ignoranz Vorschub. Im folgenden soll ein Blick geworfen werden
auf fast 600 Jahre "Zigeunergeschichte" in Deutschland
- eine Geschichte nahezu ununterbrochener Verfolgung und Ausgrenzung,
die in den Gaskammern von Auschwitz ihren Höhepunkt fand
und in rassistischen Asylverfahren und Abschiebungen ungebrochen
fortgesetzt wird.
Tartaren, Juden, Ketzer?
Im 15. Jahrhundert wanderten die ersten Sinti in deutsche Gebiete
ein. Sie gehören damit zu den ältesten Volksgruppen,
die sich im nachmaligen deutschen Staatsgebiet ansiedelten, und
ihre Sprache, das Romani (Romanes), ist eine der ältesten
Sprachen der Menschheit. Man nannte die Fremden, mangels besseren
Wissens, "Tartaren" oder "Heiden" und stellte allerlei
Vermutungen über ihre Herkunft an. Sie wurden für Juden
gehalten, die sich vor Verfolgung einige Jahrzehnte in den Wäldern
versteckt hätten, man sah in ihnen Nachfahren biblischer
Heroen oder antiker Ketzer. Die Bezeichnung "Zigeuner"
geht tatsächlich - so zumindest hat es Vaux de Foletier nahegelegt
- auf den Namen einer griechischen Häretiker-Sekte, der Atsinganen,
zurück. Sie könnte aber auch ganz einfach von dem Wort
"Zieh -Gauner" abgeleitet sein, mit dem Sinti nur allzu
bald nach ihrer Ankunft belegt wurden. Fest steht, daß die
ersten "Zigeuner", kaum einige hundert Menschen, in dem
von Pest und Krieg zerrütteten Deutschen Reich zunächst
wohlwollend aufgenommen wurden. Papst Martin V., Kaiser Sigismund
und andere Fürsten sicherten ihnen freies Geleit und eigene
Gerichtsbarkeit zu, denn fähige Handwerker waren begehrt
und die Schmiede der Sinti galten als Meister der Herstellung
von Werkzeugen, Feuerwaffen und Kanonen. Der Adel protegierte
sie, überließ ihnen freies Jagdrecht und räumte
ihnen Steuervergünstigungen ein. Städte waren verpflichtet,
die Reisenden aufzunehmen oder ihnen Geld zu zahlen, um sich von
ihrer Aufnahme - und Bewirtungspflicht loszukaufen. Die Privilegien
der Sinti erregten rasch den Unmut der Landbevölkerung. Es
begann eine Zeit schleichender Feindseligkeit und Verleumdung:
ein "Zigeuner" sei es gewesen, der die Nägel zum Kreuze
Christi geschmiedet habe, und "Zigeuner" hätten der
heiligen Jungfrau bei ihrer Flucht aus Ägypten die Hilfe
verweigert. "Die angebliche Schuld der Zigeuner sollte von
nun an Ursache sein für die Leiden, die ihnen die Gesellschaft
auferlegte." (2)
Verfolgung
Die Zeit des relativen Einvernehmens zwischen Sinti und Machthabern
dauerte kaum 50 Jahre. Der Niedergang des Kriegeradels und eine
sich stetig steigernde Hetze trieben viele Familien in die Städte.
Hier allerdings beherrschten die Zünfte das Handwerk und
ließen den Sinti kaum ein Betätigungsfeld. Nur "unehrenhafte
Berufe" wie Gaukler, Musiker oder Puppenspieler gestand man
ihnen zu. Da die städtische Bevölkerung ihnen die Ansiedlung
praktisch verunmöglichte, verlegten sich viele Sinti auf
ein "fahrendes Gewerbe" - das Bild vom "rastlosen Zigeuner"
war geboren und fügte sich nahtlos in die grassierende Pogromstimmung.
Von 1497 bis 1774 sind 146 Edikte gegen Sinti belegt. Sie wurden
ausgewiesen, für vogelfrei erklärt, ausgepeitscht, gebrandmarkt,
gefoltert und verbrannt. Besonders beliebt waren sogenannte "Streifungen",
groß angelegte Treibjagden, bei denen das "Wild"
ein flüchtender Sinti war. Das Zeitalter der Aufklärung
brachte für Sinti kaum Verbesserungen: Familien wurden auseinandergerissen,
die Kinder in Erziehungsheime gesteckt, und noch 1832 empfahl
ein Geistlicher, ganz dem neuen Verständnis christlicher
Nächstenliebe entsprechend "die Unterbringung der alten
Zigeuner in ein Arbeitshaus (...), wo sie Hiebe bekämen,
wenn sie nicht arbeiten wollten" (3).
Als Roma in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über
Ungarn nach Deutschland einwanderten, hatte die Verfestigung der
Nationalstaaten und das damit einhergehende Misstrauen gegen alles
"staatenlose" die "Zigeuner" endgültig zu gefährlichen
Störenfrieden gemacht.
Stigmatisierung
Die Geschichte der Roma und Sinti im 20. Jahrhundert ist eine
rasche Abfolge bürokratischer Verfolgungen und Schikanen.
1899 wurde in München eine polizeiliche Zentrale zur Erfassung
aller verfügbaren Nachrichten in Bezug auf "Zigeuner"
eingerichtet. Auf Grundlage der Nachforschungen dieser Zentrale
erschien 1905 das berüchtigte "Zigeunerbuch" Alfred
Dillmanns, das über 3350 deutsche Sinti und Roma detaillierte
Angaben machte - bis hin zu Fingerabdrücken. 1926 wurde in
Bayern ein Gesetz zur "Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern
und Arbeitsscheuen" erlassen, das Zwangsarbeit für "Zigeuner
ab 16" festschrieb, Meldepflicht, Reisebeschränkungen
usw. 1929 avancierte die Münchner Zentrale zum "Amt für
Zigeunerbekämpfung in Deutschland". Als die Nationalsozialisten
1933 die Macht übernahmen, war die polizeiliche Infrastruktur
zur Verfolgung von Sinti und Roma bereits vollständig etabliert.
1935 wurden Roma und Sinti durch die Nürnberger Rassegesetze
aus der Gesellschaft ausgestoßen. 1936 wurde in Wien die
"Internationale Zentralstelle zur Bekämpfung des Zigeunerwesens"
gegründet, der im gleichen Jahr immerhin 29 (!) Länder
beitraten. Ebenfalls 1936 nahm die "Rassenhygienische und Bevölkerungsbiologische
Forschungsstelle" ihre Arbeit auf.
Geleitet von dem Tübinger Nervenarzt Robert Ritter und seiner
Assistentin Eva Justin war die "Rassenhygienische Forschungsstelle"
eine entscheidende Vorstufe der sich abzeichnenden Vernichtung
"rassisch minderwertigen Lebens". Noch 1944 trat Justin
in ihrer Promotion vehement für die Zwangssterilisation von
Sinti- und Romafrauen ein. Ritter entwarf für seine "Forschungsstelle"
ein Raster von Überprüfungen, das für "Zigeuner"
sogar noch rigider als für Juden ausfielen: "Seine (Ritters)
Definition des Halbzigeuners war genauer als die des Halbjuden.
'Ein Halbzigeuner ist eine Person, die einen oder zwei Zigeuner
unter seinen Großeltern hat. Ferner wird eine Person als
Halbzigeuner eingestuft, wenn zwei oder mehr seiner Großeltern
Halbzigeuner im obigen Sinne sind'. Dies bedeutete, daß,
wenn zwei von den sechzehn Urgroßeltern einer Person Zigeuner
waren, er als Halbzigeuner eingestuft wurde und später, 1943,
nach Auschwitz geschickt werden konnte." (4)
Bis 1942 überführte das "Ritter-Institut", mittlerweile
dem Reichssicherheitshauptamt angegliedert, über 30.000 Akten
an Gestapo und Polizei. Diese Dokumente, zum Teil schon vor dem
Krieg von der Münchner Zentrale erstellt, wurden der "Leitfaden"
des Völkermordes.
Weder Ritter noch Justin wurden je zur Verantwortung
gezogen. Nach dem Krieg rechtfertigten sie sich, durch ihre Forschungen
"reinrassige Zigeuner" vor dem Konzentrationslager hätten
bewahren zu wollen. Außerdem beriefen sie sich auf die Freiheit
der Forschung und gaben an, nichts von den Folgen ihrer "wissenschaftlichen
Tätigkeit" gewusst zu haben. Eva Justin arbeitete in
den fünfziger Jahren unbescholten als Amtsärztin in
Frankfurt am Main und wurde - pikanterweise - gerne als Gutachterin
in Wiedergutmachungsverfahren von Roma und Sinti zu Rate gezogen.
Von der "Wissenschaftlichkeit" ihrer Arbeit am "Rassenhygienischen
Institut" kann man sich einen exemplarischen Eindruck verschaffen
anhand eines Gutachtens, das Justin 1944 an die staatliche Kriminalpolizei
sandte: "Während das Äußere der Familienangehörigen
nicht gerade typisch zigeunerisch ist, sondern - abgesehen von
der Mutter - an Neger-Bastarde denken läßt, sprachen
Gestik, Affektivität und Gesamtverhalten nicht nur für
artfremde, sondern gerade auch für zigeunerische Herkunft.
Die unechte Art scheinbar urbanen Auftretens, die Anpassung an
sich flacher emotioneller Regungen an die jeweilige Umweltwirkung,
die Uneinsichtigkeit und Urteilsschwäche gegenüber sachlichen
Erwägungen und Folgerungen, die Standpunktlosigkeit und Unfestigkeit
innerer Stellungnahme zeugen bei aller Schläue und Verschlagenheit
von einer im Kern vorhandenen hochgradigen Naivität und Primitivität,
wie man sie in dieser gelockerten Art bei sesshaften Europäern
mit gezüchtetem Arbeitssinn nicht trifft." (5)
Die "Klassifizierung" der Opfer in "Zigeuner" und
"Zigeuner-Mischlinge", immerhin eine Entscheidung über
Leben und Tod, war in jeder Hinsicht willkürlich:
"Die Rassenforscher, die haben von den gleichen Eltern
die Kinder untersucht, und doch galt der eine dann als Mischling
und der andere als Vollzigeuner. Da haben sie so bürokratisch
ihre Rasse-Akten machen lassen - und es hat doch nicht gestimmt."
(6)
Vernichtung
Am 16. Dezember 1942 gab Himmler den Befehl, "zigeunerische
Personen" nach Osten zu deportieren. Das nationalsozialistische
Regime wollte ein Ende machen mit der "Zigeunerplage".
In Auschwitz wurde ein eigenes "Zigeunerlager" eingerichtet
und 1944 liquidiert. 500.000 Roma und Sinti starben - in Auschwitz,
Ravensbrück, Buchenwald, Bergen-Belsen, Mauthausen, Gros-Rosen
und anderen Lagern. "Zigeuner" waren bevorzugte Opfer für
medizinische Experimente: mit Typhus-Erregern in Natzweiler, Senfgas
in Sachsenhausen, Salzwasserinjektionen in Dachau und Fleckenfieber
in Buchenwald. Der Staatssekretär im Reichsinnenministerium
und Reichsärzteführer Dr. Conti "rechtfertigte"
die bestialischen Menschenversuche vor einer applaudierenden Ärzteschaft:
"In Kriegszeiten, wo Millionen der Besten und völlig Unschuldigen
ihr Leben opfern müssen, muß man auch vom Gemeinschaftsschädling
seinen Beitrag zum allgemeinen Wohl fordern." (7)
Hermann W., Musiker und Geigenbauer in Karlsruhe, erlebte als
Jugendlicher die Deportationen. Als er in Auschwitz ankam, war
er gerade 16 Jahre alt. Er überlebte als nur einer von sechs
die Liquidierung des "Zigeunerlagers". Schon vorher, im
Lager Buskow, hatte ihn eine "typische Zigeunereigenschaft"
vor dem Tod bewahrt: "Und dann sagt der SS-Mann: 'Spiel noch
mal was" ! Das hab ich gemacht, denn ich hab Kohldampf gehabt,
natürlich... Und so habe ich nochmal einen Nachschlag gekriegt.
- Und der Mann, der hat mich nicht ein einziges Mal angeschrieen,
solange ich im Lager war. Aber natürlich die anderen. Mein
Glück war, daß ich spielen konnte. Wenn das nicht gewesen
wäre..." (8)
Ein anonymer Jesuitenpater, Wehrmachtsgefreiter in Jugoslawien,
berichtet aus Jasenovac, dem "Todeslager für Zigeuner":
"Jede Kapelle hatte 12 Mann. Sie spielten einen Monat lang,
vom ersten bis zum letzten. Ein Monat mit 31 Tagen war ein Glück,
ein Geschenk für die 12 Zigeuner - ein Tag mehr, 24 Stunden.
Sie spielten bis zum Mittag, sie spielten abends und am letzten
Tag bis in den Morgen. (...) Am 30. und 31., dem letzten Tag
jedes Monats, wurde nach dem Abendessen das elektrische Licht
ausgeschaltet, und es leuchteten nur die Kerzen (...). Und nun
betete jeder der 12 Zigeuner, daß der Kommandant nicht
schläfrig werde. Wenn der Kommandant anfing, müde
zu werden (...) zeigte er auf einen Zigeunermusiker. Der mußte
sein Instrument niederlegen, und er ging durch den kerzenerleuchteten
Saal vor das Tor des Kasinos, wo die Eskorte schon auf ihn wartete,
die ihn in den Wald führte. Wenn der Schuß aus dem
Wald kam - man konnte ihn auch, während man spielte, im
Saal hören - machte sich der nächste bereit. Aber
er spielte noch, bis der Kommandant auf ihn zeigte. War ein
deutscher SS-Offizier Kommandant des Lagers, so ging es schnell.
Denn die Deutschen wurden bald müde im Rausch des ungewohnten
Slibowitz. War es ein Ustascha (9),
konnte es bis den Morgen dauern. Denn die Ustaschi ließen
den letzten besonders lang spielen und am Leben, und sie riefen
ihn zum Kommandantentisch und gaben ihm Slibowitz und schauten
ihm lang in die Augen, bevor sie ihn vor das Tor schickten".
(10)
Keine "Stunde Null"
Als Hermann W. aus russischer Gefangenschaft nach Deutschland
zurückkehrte, erwartete ihn eine Überraschung: "Auf
den Ämtern waren ja auch noch immer dieselben Leut', wie
vorher, die uns praktisch ins Lager weggeschickt hatten und die
uns gleich wieder behandelten wie Verbrecher... Als ich nach der
Kriegsgefangenschaft meinen Personalausweis zurück haben
wollte, da wollten die mich sogar staatenlos machen." (11)
Nicht nur Eva Justin und Robert Ritter waren unbehelligt geblieben.
"Zigeuner" galten nach wie vor als kriminell, und in den Polizeidienststellen
saßen eben jene Beamte, die schon den Nationalsozialisten
als "Fachkräfte" gedient hatten. Die Dienststelle
für "Landfahrer" in München setzte ihre Arbeit
einfach fort und benutzte bis in die sechziger Jahre hinein die
Akten des "Rassenhygienischen Forschungsinstituts", die
man in einer abenteuerlich kriminellen Aktion vor den Alliierten
in Sicherheit gebracht hatte. Nicht einmal die Wortwahl hatte
sich geändert. 1962 verfasste Kriminal - Obermeister Hans
Bodlée, Leiter der Sonderkommission "Diebische Landfahrer"
in Düsseldorf für die Polizeizeitung 'Kriminalistik'
folgenden Text:
"Bei der zur Beobachtung zur Verfügung stehenden Personengruppe
handelt es sich um ...Zigeunermischlinge mit Elternteilen deutschblütiger,
jüdischer, aber auch kombinierter Zusammensetzung, letztlich
also Mischvolk aus drei Blutstämmen, bei denen - biologisch
unterstellbar - ein Konzentrat negativer Erbmasse zu verzeichnen
sein dürfte (Verschlagenheit, Hinterhältigkeit, Brutalität,
Trunksucht, Selbstmordneigungen (Sic!) usw." (12)
Ebenfalls1962 erschien ein von staatlichen Stellen herausgegebener
"Leitfaden für Kriminalbeamte", der für jeden
Dienstanwärter jahrelang maßgeblich blieb. "Nach
diesem 'Leitfaden' seien wir Sinti und Roma für die übrige
Bevölkerung 'eine erhebliche soziale Gefahr'." schreibt
Romani Rose, Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Roma und Sinti:
"'Zigeuner' lebten 'in Sippen und Horden' und hätten neben
dem 'Hang zu einem ungebundenen Wanderleben' auch noch 'eine ausgeprägte
Arbeitsscheu'. Quelle solcher Rassenideologie im BKA war das Standardwerk
der Nazis über Kriminologie aus dem Jahre 1936." Bis
zum heutigen Tage hat sich an bürokratischer Schikane, rassistischer
Nichtachtung und Polizeiwillkür gegen Roma und Sinti in Deutschland
kaum etwas geändert. Aber auch in unschönen Diskussionen
um eine Gedenkeinrichtung der Roma und Sinti im Rahmen des umstrittenen
Holocaust-Mahnmals in Berlin, die ausgerechnet den renommierten
Historiker Eberhard Jäckel gegen den Zentralrat Deutscher
Roma und Sinti in die Bresche springen ließen, offenbart
sich die Zählebigkeit z.T. jahrhundertealter Vorurteile und
Ressentiments. Romani Rose unterscheidet dennoch sehr wohl zwischen
diffuser Aversion und staatlicher Diskriminierung:
"Problematisch sind für uns Sinti und Roma (...) nicht
belanglose Vorurteile in der Bevölkerung, sondern die Tradition
des behördlichen Rassismus bis in die oberen Etagen der
Ministerien". (13)
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.
Yeti
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Anmerkungen
(1) Zahlreiche Belege dieses
Artikels - auch dieses Rundschreiben - entstammen einer umfangreichen
Sammlung von Dokumenten und Aufsätzen, die das Roma- Theater "Pralipe"
anläßlich der Wiederaufnahme der "Bodas de Sangre" von Frederico
García Lorca zusammenstellte. Der "Reader" trägt werder
Datum noch laufende Seitenzahlen, auch die Angabe der Quellen ist teilweise
mangelhaft. Nichts desto trotz erschien es legitim, diese Quelle für
einen Zeitungsartikel zu nutzen. Sie wird im folgenden kurz Dokumentation
genannt.
(2) Martins - Heuß,
Kirsten, Zur Geschichte der Zigeuner, in: Dokumentation
(3) Ebenda
(4) Ebenda
(5) Justin, Eva, i. A.
der Rassenhygienischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes Berlin-Dahlem
an staatliche Kriminalpolizei Berlin, 10. Juli 1944, in: In Ausschwitz
vergast, bis heute verfolgt. Zur Situation der Roma in Deutschland und
Europa, Hrsg. Tilman Zülich, Vorwort Ernst Tugendhat, Hamburb 1979
(=Rororo aktuell 4430), S. 189-190
(6) Hermann W.(Ausschwitzüberlebender),
Überlebende berichten. "Es war ja das Polizeipräsidium", Mitschrift
in: Dokumentation
(7) Zitiert nach Martins
- Heuß, Kirsten, Zur Geschichte der Zigeuner, in: Dokumentation
(8) Hermann W., Überlebende
Berichten, in: Dokumentation
(9) Ustascha: faschistische
Miliz in Kroatien, brutale Verbrechen gegen Juden und Roma.
(10) Zit. nach: Die Furche,
Wien, Heft 38/1958.
(11) Hermann W., Überlebende
berichten, in: Dokumentation.
(12) Zitiert nach: Rose,
Romani, Sinti und Roma un Deutschland, in: Dokumentation.
(13) Ebenda
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