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>> 259 mai 2001

Castor-Alarm Rheinsberg/Greifswald: 6. bis 11. Mai 2001

Notwendiger Castor? Der Ausstiegscastor? Der Castor den wir nicht blockieren sollten?

Da haben wir ihn, den guten, den schönen, den wichtigen und unumgänglichen Castor vom stillgelegten AKW Rheinsberg. Wie könnten wir ihn blockieren, da es doch eindeutig ist, daß er stattfinden muß, damit dort wo vor kurzem noch der Reaktor arbeitete, bald wieder nette Wollschafe weiden können.

Genug der Scherze. Bei genauerer Betrachtung stellt sich die Sache etwas anders dar. Der Castor ist nicht etwa nur ein Castor, sowie wir nicht etwa nur CastorgegnerInnen sind, er ist ein effizienter Angriffspunkt für uns, dort können wir das Geflecht von AtomstrategInnen aus Wirtschaft, Politik und Kapital an einer empfindlichen Stelle treffen. Und dieses wirkt auch in Rheinsberg. Das Atomkraftwerk wird nicht etwa voller Jubel von dessen GegnerInnen zu Grabe getragen, sondern im Gegenteil: Den mit Atomtechnik arbeitenden Firmen (beispielsweise Siemens) wird die Möglichkeit geboten Technologien und Verfahren für den Kraftwerksrückbau zu testen.

Somit wird Rheinsberg zum Experimentierfeld der Atomindustrie. Mit einem Ausstieg aus der Atomkraft hat das nichts zu tun.

Suggeriert wird, daß alles unter Kontrolle und die Strahlung beherrschbar ist. Dadurch wird eine Legitimation zum Bau neuer Kraftwerke geschaffen, da ja am Ende doch wieder alles gut zu werden scheint. Ausgeklammert wird hierbei die menschenfeindliche Durchsetzung des Atomprogramms weltweit, von sämtlichen Umständen der Urangewinnung, über die Unsicherheiten des Betriebs von Atomanlagen bis zur gänzlich ungeklärten Müllproblematik.

Der Abriß des AKW Rheinsberg bringt uns also einem Ausstieg nicht näher, es sichert im Gegenteil sogar den ruhigen Weiterbetrieb der Atomspirale.

In Greifswald ist ein drittes Zwischenlager entstanden, wobei die Genehmigung für die Lagerung des hochradioaktiven Mülls persönlich von Trittin überreicht wurde. Angeblich soll in dieser Halle nur Müll aus den rückgebauten AKWs Lubmin und Rheinsberg gelagert werden. Daran besteht jedoch keine rechtliche Bindung und das Lager ist für den dort anfallenden Müll eindeutig überdimensioniert. Das heißt, daß es sich hier um eine billige Zwischenlageralternative zu Ahaus und Gorleben handelt, da hier nicht mit so großem Widerstand gerechnet wird. Eine Lösung des Problems ist eben nicht das Vortäuschen einer Entsorgung durch die Schaffung neuer Zwischenlager und die Verschiebung des Atommülls quer durch Europa, sondern einzig und allein der sofortige Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie!

Der Rückbau zur grünen Wiese ist eine Illusion, wir sind nicht bereit über Möglichkeiten der Verwahrung von Atommüll nachzudenken, solange immer noch welcher produziert wird.

Ein wirklicher Atom-Ausstieg ist nicht in Sicht und deswegen werden wir den Castor-Transport nutzen um gegen diese gefährliche Technologie zu protestieren und um Druck auf Politik und Atomindustrie auszuüben. Der Kern des Problems liegt dabei aber nicht in der unverantwortlichen Nutzung atomarer Energie, sondern in der grundsätzlichen Herangehensweise, auf der diese basiert. Weil Kernenergienutzung nicht die einzige Katastrophe unserer Gesellschaft ist, sondern neben Militarismus, Fremdenfeindlichkeit, patriarchalen Strukturen, Machtstreben, Umweltzerstörung und vielem anderen nur eine Folge der herrschenden Einstellung, gilt unser Engagement einer völlig neuen Gesellschaft ohne 'oben' und 'unten'. Dies schließt für uns eine offensive Bekämpfung von verstärkt auftretenden Haltungen, wie Nationalismus und Rassismus ein.

Ob in Rheinsberg, Neckarwestheim, La Hague oder Jabiluka: Atommafia blockieren! Überall!

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