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372 oktober 2012
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Widerstand an den Graswurzeln

Zwischen Israel und Palästina

Widerstand an den Graswurzeln. Zwischen Israel und Palästina. Eine Reise von Jodokus 2011, Dutschke Verlag, Neustadt-Weinstraße 2012, 28 Seiten, 2,90 Euro, ISBN 978-3-943078-02-2

Das Buch "Widerstand an den Graswurzeln. Zwischen Israel und Palästina" ist ein ungewöhnlicher Reisebericht von Jodokus, einem jungen Salzburger, der sich dort u.a. im Sozialen Zentrum SUB engagiert. (1)

Jodokus beschloss, sich einen eigenen Eindruck von den Konflikten in Israel und dem Westjordanland zu machen, zwei Staaten im Fokus der Weltöffentlichkeit, die auf dem einen Land errichtet wurden, das von zwei Nationen beansprucht wird.

Das Erfrischende an Jodokus Bericht über einen Weg, der ihn von der modernen Metropole Tel Aviv über Jerusalem nach Hebron, Bethlehem und Ramallah führt, ist die Offenheit, mit der er Ereignisse, Menschen und Städte schildert. Er sucht ungewöhnliche Orte auf: Die Musikschule in Ramallah, das Friedens Occupy Camp in Bethlehem, das an den Mauern und Zäunen steht, die Israel gebaut hat.

Er spricht aber nicht mit PolitikerInnen und religiösen Führern, sondern mit einfachen Menschen auf der Straße, zum Beispiel einer arabischen Frau in Hebron, die unter dem Wassermangel leidet, genauso wie mit dem hier stationierten Soldaten, der von Kindern mit Steinen beworfen wird und als politisch links denkender Mann, eigentlich gar nicht im Westjordanland sein will.

Kämpferisch gegenüber Ungerechtigkeit schildert Jodokus dennoch ohne die Schere im Kopf, was er sieht und hört, auch wenn die Ergebnisse dann regelmäßig das Schwarz-Weiß-Schema derer sprengen, die sich mit Haut und Haaren mit einer der Konfliktparteien solidarisieren, ohne die Gegenseite zu (be)achten. Er beteiligt sich an gewaltfreiem Protest gegen Landraub in den Hügeln um Hebron. Und spricht mit vielen, die sich gegen die Ungleichbehandlung der PalästinenserInnen wehren.

Sein Bericht ist alles andere als trocken, sondern sehr lebendig geschrieben. Hin und wieder vermittelt Jodokus auch, was er fühlt, oder Bitterkeit ist zwischen den Zeilen lesbar:

"(Eine) wöchentliche SiedlerInnen-Touristentour durch den palästinensischen Teil der Altstadt (von Hebron): Eine Handvoll SiedlerInnen wird von einem Führer durch die Gassen gelenkt, begleitet von etwa doppelt so vielen schwerbewaffneten und sichtlich nervösen Soldaten. Diese säubern die Straßen vorher von ungebetenen Gästen, zum Beispiel von den Menschen, die hier wohnen, und den spielenden Kids."

Und doch: Die Tür zum Gegenüber bleibt auf, der/die Andere wird, auch wenn sein/ihr Handeln strikt abgelehnt wird, eigentlich nie in Grund und Boden verdammt.

So macht dieser Bericht eher nachdenklich, als dass er anklagt.

Vor dem Handeln Nachdenken ist wohl auch nicht das Schlechteste, wenn wir Juden und Arabern in jener Ecke der Welt ein wenig helfen wollen, Verständigung und Ausgleich zu finden und zwar dort, wo der Hass am meisten tobt und das Leid am tiefsten empfunden wird: Vor der Haustür. Zwischen Nachbarn.

Oliver Steinke
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