„Rheinmetall stoppen, bevor noch mehr Menschen sterben“

Interview mit der südafrikanischen Aktivistin und Politikerin Rhoda-Ann Bazier

 443 november 2019 Rhoda-Ann Bazier, Julian Richter und Bernd Drücke (Interview), Thomas Siepelmeyer (Übersetzung)

Bernd Drücke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen Rüstungsexporte und die Politik eines deutschen Rüstungskonzerns. Konkret geht es um die Rheinmetall AG. Rheinmetall ist eine Firma, die 1889 in Deutschland gegründet wurde. Sie belegt Platz 25 der weltgrößten Rüstungskonzerne und produziert Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südafrika, Italien und anderen … Weiterlesen

Das politische Erdbeben in Chile

Furcht und Hoffnung in einer neoliberalen Gesellschaft

 443 november 2019 Stephan Ruderer

Chile wird seit Freitag, dem 18. Oktober 2019, von gewalttätigen Protesten in einem Ausmaß erschüttert, das man seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat. Die Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen, das Militär patrouilliert die Straßen der großen Städte des Landes, neben zahlreichen friedlichen Protesten kam es zu unglaublichen Zerstörungen, Brandschatzungen und Plünderungen. Offizielle Zahlen sprechen bis jetzt von 15 Toten [Stand: 22.10.], das teilweise brutale Vorgehen des Militärs lässt aber leider noch mehr Opfer erwarten. Das bis dahin so stabile lateinamerikanische Land wird von unvorhergesehenen Erschütterungen erfasst, die Schatten der Militärdiktatur von Augusto Pinochet sind zurück, die Tage seit dem 18. Oktober haben jetzt schon historische Bedeutung angenommen. Weiterlesen

Gentrifizierung und Rassismus in Marseille

Sechs Monate nach dem 5. November 2018. Ein Interview über die Opfer der tödlichen Stadtpolitik, rassistische Polizeigewalt und den Zusammenschluss von Anti-Gentrifizierungs- und Gelbwestenbewegungen

 440 juni 2019 Interview: Anja Svobodovna

In der GWR 439 vom Mai 2019 hat Lou Marin mit seinem Artikel „Marseille: Einstürzende Altbauten” die mörderische Mischung aus Klientelismus und Gentrifizierung in der wichtigsten Hafenstadt Frankreichs analysiert. Daran knüpft das folgende Interview an, das Anja Svobodovna für die GWR geführt hat. (GWR-Red.) Weiterlesen

Frankreich: eine wahlpolitische Katastrophe

Die rechtsliberale Partei Macrons und der neofaschistische Rassemblement National als dauerhafte „Alternativen“?

 440 juni 2019 Lou Marin

Es hätte nicht viel schlimmer kommen können: Mit 23,3% gewann Marine Le Pens neofaschistische Partei Rassemblement National (RN, früher: Front National) die Europawahlen in Frankreich, kurz vor Macrons rechtsliberaler Partei LREM (La République en Marche) mit 22,4% – und langem Abstand vor der grünen Liste EE-LV mit 13,5%. Abgestürzt sind die alte konservative Partei LR (Les Républicains) mit nur 8,5% und Jean-Luc Mélenchons linke LFI (La France Insoumise) mit nur 6,3%. Die massiven sozialen Protestbewegungen des letzten halben Jahres haben sich quasi überhaupt nicht im Parteiensystem niedergeschlagen – oder sogar negativ. Und das bei mit 50,1% deutlich gestiegener Wahlbeteiligung für Europawahlen in Frankreich (GWR-Red.) Weiterlesen

Bücherverbrennung 2019

Kein Buch verdient den Scheiterhaufen

 440 juni 2019 Monika Kupczyk

Erich Kästner: „Mit solchen Methoden kann man zwar ein Volk vernichten, Bücher aber nicht. Sie sterben nur eines natürlichen Todes. Sie sterben, wenn ihre Zeit erfüllt ist. Man kann von ihrem Lebensfaden nicht eine Minute abschneiden, abreißen oder absengen. Bücher, das wissen wir nun, kann man nicht verbrennen.“ Am 31. März 2019, einem Sonntag, hat die polnische Stiftung „SMS aus dem Himmel“ auf ihrer Facebook-Seite Fotos einer Bücherverbrennung veröffentlicht. Die Priester dieser Stiftung haben mit Unterstützung ihrer Ministranten in Danzig zahlreiche Bücher verbrannt. Die für den Scheiterhaufen gewählten Titel sollen frevelhaft gewesen sein. Die Aktion wurde in Polen, als auch weltweit heftig kritisiert. Weiterlesen

Marseille: Einstürzende Altbauten

Eine mörderische Mischung aus Klientelismus und Gentrifizierung

 439 mai 2019 Lou Marin

Marseille ist eine schöne Stadt am Mittelmeer. Davon wird in diesem Artikel aber nicht die Rede sein. Denn Frankreichs wichtigste Hafenstadt ist für seine verarmten Bewohner*innen auch mörderisch und in dieser Hinsicht innerhalb Europas wahrscheinlich nur mit Genua oder Neapel zu vergleichen. Eine tödliche Mischung aus kommunalpolitischem Klientelismus und rücksichtsloser Politik der Gentrifizierung. (GWR-Red.) Weiterlesen

Das Ende des IS?

Rojava nach dem Ende der Kämpfe. Ein Situationsbericht aus Nordsyrien

 439 mai 2019 Michael Wilk

Dr. Michael Wilk ist Notarzt und Psychotherapeut. Er reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien, unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond (Heyva sor a kurd), versorgt Verletzte, unterrichtet in Notfallmedizin und schreibt regelmäßig u.a. für die Graswurzelrevolution. Heyva sor a kurd (Hsak) betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Im April 2019 war Wilk erneut im Irak und Syrien. Weiterlesen

„Ihr könnt uns nicht alle verbrennen!“

Reprivatisierung in Polen. Der Fall Jolanta Brzeska

 439 mai 2019 Monika Kupczyk

In den boomenden Großstädten Europas steigen die Mieten rasant. Gegen diesen „Mietenwahnsinn“ und für das Recht auf ein menschenwürdiges Wohnen für alle haben im April 2019 unter anderem in Berlin Zigtausende demonstriert. Wir beschäftigen uns in dieser Graswurzelrevolution im Rahmen eines Schwerpunkts mit Mieter*innenbewegungen gegen Umstrukturierung und Gentrifizierung. Den Auftakt macht Monika Kupczyk mit dem folgenden Artikel über den erschütternden Fall Jolanta Brzeska und die „Reprivatisierung“ in Polen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Neubeginn der Rebellion?

Zivile Massenbewegungen in Algerien und im Sudan

 439 mai 2019 Johann Bauer

Die Dynamik dieser Massenbewegungen lässt hoffen. Betrachten wir nur den zivilen Widerstand im Sudan: Der Diktator Baschir ist gestürzt, das Militär hat aufgegeben, ihn zu unterstützen, der Vizepräsident und Verteidigungsminister Ibn Auf übernimmt den Vorsitz eines Militärrats und erklärt, die politische Macht nach zwei Jahren an eine zivile Regierung übergeben zu wollen. Ibn Auf war Chef des Militärgeheimdienstes, ein verantwortlicher Koordinator für die Brutalitäten der Dschandschawid-Milizen im Darfur-Krieg. Einen Tag später ist der Druck der Demonstrationen so stark, dass er zurücktreten muss. Am 11. April 2019 belagern über eine Million Menschen das Hauptquartier der Streitkräfte, entschlossen gewaltlos, freundlich, eine antimilitaristische Kulturbewegung. Auch der Geheimdienstchef Gusch muss die Junta verlassen. Und jetzt hoffentlich so weiter. Weiterlesen