Der vergessene Krieg

Der Bombenterror des Erdoğan-Regimes gegen die Menschen in Rojava

 484 dezember 2023 Michael Wilk

Nordostsyrien ist ein de facto autonomes Gebiet mit geschätzt fünf Millionen Einwohner:innen. Die selbstverwaltete Region, auch bekannt als Rojava (Westkurdistan), entstand ab 2012 infolge der Geschehnisse des Syrischen Bürgerkriegs. International ist das selbstverwaltete Rojava nicht anerkannt, sein Militärbündnis Demokratische Kräfte Syriens (SDF) arbeitet im Kampf gegen die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aber eng mit dem US-Militär zusammen. Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit bombardiert das türkische Regime seit Anfang Oktober 2023 verstärkt die kurdischen Gebiete im Norden Syriens. Darüber schreibt Michael Wilk, der von Mitte bis Ende Oktober 2023 wieder in Rojava war und seit Jahren regelmäßig in der GWR über die emanzipatorischen Entwicklungen in Rojava und seine Solidaritätsarbeit als Notarzt vor Ort berichtet. (GWR-Red.) Weiterlesen

Nicht nur über Israel reden

Ein Interview mit Meron Mendel

 483 november 2023 Interview: Bernd Drücke

Am 7. Oktober 2023 durchbrachen Hamas-Terroristen die Grenze von Gaza nach Israel und ermordeten auf grausamste Weise 1.400 israelische Frauen, Kinder und Männer. Mehr als 200 Zivilist:innen wurden von den Massenmördern als Geiseln nach Gaza verschleppt. Als Reaktion auf den islamistischen Terrorangriff begann die israelische Armee Ziele im Gazastreifen zu bombardieren. Den anhaltenden Bombardements sind bis zum 15. Oktober bereits etwa 2.300 Palästinenser:innen zum Opfer gefallen. Das folgende Interview mit dem 1976 in Israel geborenen Meron Mendel entstand vor dem 7. Oktober. Seit über 20 Jahren lebt Meron Mendel in Deutschland. Am 14. September 2023 stellte der israelisch-deutsche Pädagoge, Professor für Soziale Arbeit und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank sein neues Buch „Über Israel reden. Eine deutsche Debatte“ ((1)) im Geschichtsort Villa ten Hompel ((2)) vor. In seinem Bestseller zeigt Mendel auf, wie das Verhältnis zu Israel und zum Nahostkonflikt in Deutschland diskutiert wird, in der Politik und in den Medien, unter Linken, unter Migrant:innen und unter Jüdinnen und Juden. Vor der Lesung bot sich die Gelegenheit für ein Radio-Graswurzelrevolution-Interview ((3)), aus dem wir hier in einer überarbeiteten Version Auszüge abdrucken, als Teil des GWR-483-Schwerpunkts Israel/
Palästina. (GWR-Red.) Weiterlesen

Solidarität mit Anarchist:innen im Sudan

Interview mit der anarcha-kommunistischen Föderation Die Plattform

 482 oktober 2023 Interview: Bernard und Julia Berger

Seit der Bürgerkrieg im Sudan immer stärker eskaliert, verschlechtert sich auch die Situation für die kleine anarchistische Bewegung dort. Diese hat sich in den letzten Jahren intensiv an den Kämpfen für eine bessere Gesellschaft in ihrem Land beteiligt. Ein Bündnis anarchistischer Organisationen auf fünf Kontinenten, an dem auch die deutsche anarcha-kommunistische Plattform beteiligt ist, steht im Kontakt mit den Genoss:innen vor Ort und hat jetzt eine Solidaritätskampagne samt Spendenaufruf gestartet. ((1)) Ihr Ziel ist es, den Anarchist:innen, die das Land in Richtung Exil verlassen müssen, eine sichere Flucht zu ermöglichen. Anlass genug, Aktivist:innen der Plattform zu ihrem Selbstverständnis und zu ihrer Kampagne zu befragen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Chile: Ist der friedliche Weg also unmöglich?

Aus: "Graswurzelrevolution. Zeitschrift für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft" Nr. 7, 1974

Vor 50 Jahren putschte mit Hilfe der USA das Militär in Chile. Der 1970 demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Luftwaffe den Präsidentenpalast La Moneda bombardiert hatte und Soldaten in den Palast eingedrungen waren. Zigtausende Linke wurden verhaftet und gefoltert. Amnesty International schätzt, dass 30.000 Menschen alleine im ersten Jahr der bis 1990 wütenden Pinochet-Diktatur ermordet wurden. Der folgende Artikel wurde 1974 in der Graswurzelrevolution Nr. 7 veröffentlicht.   Weiterlesen

Solidarität mit Olga Karatch!

Internationale Kampagne #protection4olga: Schutz und Asyl für die Menschenrechtsverteidigerin und GWR-Autorin

 481 september 2023 Christine Schweitzer

Olga Karatch schreibt in der Graswurzelrevolution regelmäßig über die Situation in Belarus. So z.B. auch im April 2023 in der GWR 478, wo sie über die drohende Todesstrafe für Deserteure in der Lukaschenko-Diktatur berichtete. Wir solidarisieren uns mit unserer Autorin und fordern Euch auf, die Solidaritätskampagne #protection4olga zu unterstützen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Koloniale Amnesie

Deutschland und die Schmusedecke des Halb-Erinnerns

 481 september 2023 Henning Melber

Der deutsche Kolonialismus und seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden lange verdrängt oder geleugnet. Dabei war das deutsche Kolonialreich 1914 das an Fläche drittgrößte nach dem britischen und französischen. In den deutschen Kolonien wurde Widerstand brutal niedergeschlagen. In „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia, wurden an den Herero und Nama der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt. In dieser GWR beleuchten wir mit einem Schwerpunkt die deutsche Politik des Verdrängens und des Neo-Kolonialismus in Zeiten der „Energiekrise“. (GWR-Red.) Weiterlesen

Schwierige Erinnerung

Der 50. Jahrestag des Putsches in Chile

 481 september 2023 Stephan Ruderer

Vor 50 Jahren putschte mit Hilfe der USA das Militär in Chile. Der 1970 demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Luftwaffe den Präsidentenpalast La Moneda bombardiert hatte und Soldaten in den Palast eingedrungen waren. Zigtausende Linke wurden verhaftet und gefoltert. Amnesty International schätzt, dass 30.000 Menschen alleine im ersten Jahr der bis 1990 wütenden Pinochet-Diktatur ermordet wurden. Wir haben den 1974 in der Graswurzelrevolution Nr. 7 erschienenen Artikel „Chile: Ist der friedliche Weg also unmöglich?“ auf graswurzel.net wieder zugänglich gemacht ((1)). In dieser GWR erinnern wir mit Artikeln von Isabel Lipthay und Stephan Ruderer an den durch „Nine-Eleven“ von vielen Medien weitgehend vergessen gemachten 11. September 1973 in Chile. (GWR-Red.) Weiterlesen

„Wir werden alles tun, um diesen Krieg zu stoppen“

Ein Gespräch mit dem alternativen Nobelpreisträger Vladimir Slivyak

 480 sommer 2023 Interview: Bernd Drücke und Alex Kempfle

Der russische Öko-Aktivist und Anarchist Vladimir Slivyak ist in den internationalen Anti-Atomkraft- und Klimagerechtigkeits-Bewegungen aktiv. Seit über einem Jahr lebt der Co-Vorsitzende der russischen Umweltschutzorganisation Ecodefense (Öko-Verteidigung) im Exil in Deutschland, aufgrund der Repression in Russland. Im Oktober 2021 wurde er in Schweden mit dem Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) ausgezeichnet. Vladimir war der erste, der auf die Gefahren des Transportes von abgereichertem Uran von Deutschland nach Russland aufmerksam machte. ((1)) Von 2011 bis 2015 lehrte der Graswurzelrevolutionär Umweltpolitik an der Hochschule für Wirtschaft in Moskau. 2016 veröffentlichte er das Buch „From Hiroshima to Fukushima“. 2019 drehte er mit anderen einen Dokumentarfilm über die Zerstörungen der Landschaft und Gefährdungen für die Gesundheit im Kohlegebiet des Kusbass. 2022 wurde er als „Stromrebell 2022“ von den Elektrizitätswerken Schönau ausgezeichnet. Unter anderem über die erste anarchistische Aktion in Kaliningrad 1989, den Ukraine-Krieg, die Situation in Russland, sein Exil und den russisch-europäischen Uran-Deal sprachen mit ihm GWR-Redakteur Bernd Drücke und GWR-Praktikant Alex Kempfle. Wir veröffentlichen eine transkribierte, gekürzte Version des Radio Graswurzelrevolution-Interviews ((2)). (GWR-Red.) Weiterlesen

Gibt es Hoffnung für den Sudan?

Erinnerung an die gewaltfrei-libertäre Taha-Tradition

 480 sommer 2023 Lou Marin

Seit Mitte April 2023 wird in den herrschenden Medien der BRD wieder einmal über den 1956 unabhängig gewordenen Sudan als „failed state“ berichtet, in dem zwei Generäle, Generalleutnant Dagolo (genannt „Hemeti“) und seine Miliz (Rapid Support Forces; RSF), sowie General al-Burhan, noch De-facto-Präsident und Militärbefehlshaber, ihre Armeen in einen Bürgerkrieg treiben. Das heißt, „die meisten Bürger*innen beteiligen sich gar nicht an den Kämpfen, sie sitzen in ihren Kellern, Garagen und Schlafzimmern – und warten ab, ob das Militär ihr Land in den Abgrund reißt.“ ((1)) Insofern ist das Wort „Bürgerkrieg“ nicht ganz zutreffend, zumal in den Medien in Deutschland kaum genauer über die gewaltfreien Traditionen informiert wird, die es im Sudan gleichzeitig immer gegeben hat und noch gibt. (GWR-Red.) Weiterlesen

„Wir sind Fremde hier, lasst nicht zu, dass sie uns hinrichten!“

Über den Tod, die Todesstrafe und den revolutionären „Frau – Leben – Freiheit“-Aufstand im Iran

 480 sommer 2023 Mahtab Mahboub

Vor einigen Tagen konnten wir in vielen Zeitungen lesen, dass das islamische Regime im Iran „alle sechs Stunden einen Menschen hingerichtet hat“; aber was bedeutet eine Stunde für einen Menschen in der Todeszelle, für seine Familie, seine Freunde, seine Mitbürger:innen, für die Menschen, die die Nachricht von seiner Verurteilung im Fernsehen hören? Weiterlesen