Ein kleineres Übel

Eine Analyse zum Ergebnis der Parlamentswahl in Polen

 445 januar 2020 Monika Kupczyk

Die Parlamentswahlen am 13. Oktober 2019 brachten nicht den erhofften Umschwung in Polen. Bei einer Rekordwahlbeteiligung von 61,74% (im Jahr 2015: 50,92%) und trotz der Mobilisierung der Opposition sind die Politiker*innen der „guten Veränderung“ an der Macht geblieben. Der Sejm ist neben dem Senat eine der beiden Kammern der polnischen Nationalversammlung. Mit über acht Millionen Stimmen (43,59%) gewann die rechte PiS (Prawo i Sprawiedliwość, Gerecht und Gerechtigkeit) die Sejm-Wahlen. Weiterlesen

„Die Junta endete nicht 1974“

Massenproteste gegen die repressive Politik der rechten Regierung in Griechenland

 445 januar 2020 Ralf Dreis

Am 20. November 2019 stellte der griechische „Bürgerschutzminister“ Michális Chrysochoídis allen Hausbesetzer*innen ein Ultimatum von 15 Tagen zum Verlassen ihrer Häuser und Zentren. Nach Ablauf des Ultimatums am 6. Dezember, dem Jahrestag der Ermordung des 15jährigen Aléxandros Grigorópoulos durch Polizeibeamte 2008, sollen alle Besetzungen gewaltsam geräumt werden. Weiterlesen

Der Krieg gegen Jemens Kinder

Drei von fünf Kriegstoten sind unter fünf Jahren

 445 januar 2020 Jakob Reimann

Für ein paar Tage erlangte Amal Hussain einen gewissen Weltruhm. Das nur schwer zu ertragende Foto der 7-Jährigen prangte auf der Titelseite der letzten Wochenendausgabe der New York Times im Oktober 2018. Das Mädchen besteht buchstäblich nur aus Haut und Knochen, kein Gramm Fett, kein Gramm Fleisch. Zwischen jeder einzelnen Rippe zieht sich die Haut tief in den Brustkorb hinein, der so zerbrechlich wirkt, als würde er bei der kleinsten Berührung in sich zusammenfallen. Weiterlesen

Ein Algerier hält ein Plakat mit schwarz-rotem Stern und der Aufschrift "Vous êtes foutu, le peuble est dans la rue" in die Kamera

Generation ohne Angst

„Hirak“, die lang dauernde Massenbewegung in Algerien

 444 dezember 2019 Leïla-Anne Ouitis

Im Februar 2019 entstand eine beeindruckende Massenbewegung in Algerien, der dort sogenannte Hirak. Das ist auf Arabisch der Begriff für „Bewegung“. Der algerische Hirak konnte bereits die autoritäre Regierung Bouteflika und seinen Clan stürzen und befindet sich gegenwärtig mitten in der Auseinandersetzung mit dem algerischen Militär um die künftige Gesellschaftsstruktur des Landes. Im Hirak spielt die Gewaltfreiheit bis jetzt eine bedeutende Rolle. Wir veröffentlichen hier eine zweiteilige Analyse der Bewegung. Der zweite Teil erscheint im Januar in der GWR 445 und wird die Rolle der Frauen in der Massenbewegung Algeriens noch näher behandeln. (GWR-Red.) Weiterlesen

„Respekt für meinen Körper, mein territorio”

Frauen in der indigenen Bewegung im Cauca, Kolumbien

 444 dezember 2019 Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Ein Blick auf die Situation der Frauen innerhalb der starken indigenen Bewegung im Cauca bietet ein ambivalentes Bild: Die Bewegung ist für sie ein Ort, in dem sie Emanzipation verwirklichen können, in dem sie andererseits aber auch auf Machismo und Widerstand stoßen. Probleme, aktuelle Themen sowie grundlegende Herausforderungen der indigenen Frauen und ihrer Organisierung wurden exemplarisch auf einem ihrer Treffen deutlich. Weiterlesen

„Rheinmetall stoppen, bevor noch mehr Menschen sterben“

Interview mit der südafrikanischen Aktivistin und Politikerin Rhoda-Ann Bazier

 443 november 2019 Rhoda-Ann Bazier, Julian Richter und Bernd Drücke (Interview), Thomas Siepelmeyer (Übersetzung)

Bernd Drücke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen Rüstungsexporte und die Politik eines deutschen Rüstungskonzerns. Konkret geht es um die Rheinmetall AG. Rheinmetall ist eine Firma, die 1889 in Deutschland gegründet wurde. Sie belegt Platz 25 der weltgrößten Rüstungskonzerne und produziert Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südafrika, Italien und anderen … Weiterlesen

Das politische Erdbeben in Chile

Furcht und Hoffnung in einer neoliberalen Gesellschaft

 443 november 2019 Stephan Ruderer

Chile wird seit Freitag, dem 18. Oktober 2019, von gewalttätigen Protesten in einem Ausmaß erschüttert, das man seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat. Die Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen, das Militär patrouilliert die Straßen der großen Städte des Landes, neben zahlreichen friedlichen Protesten kam es zu unglaublichen Zerstörungen, Brandschatzungen und Plünderungen. Offizielle Zahlen sprechen bis jetzt von 15 Toten [Stand: 22.10.], das teilweise brutale Vorgehen des Militärs lässt aber leider noch mehr Opfer erwarten. Das bis dahin so stabile lateinamerikanische Land wird von unvorhergesehenen Erschütterungen erfasst, die Schatten der Militärdiktatur von Augusto Pinochet sind zurück, die Tage seit dem 18. Oktober haben jetzt schon historische Bedeutung angenommen. Weiterlesen