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377 märz 2013
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Brillante Umsetzung einer Geschichte

Ein Comicsachband über Wurzeln, Ideen und Erscheinungsformen der Genossenschaftsbewegung

Findus & Caterina Metje, Kleine Geschichte der Genossenschaften. Beispiele aus der Kooperativbewegung, 80 Seiten, Unrast-Verlag, Münster, erscheint im März 2013, 8,90 Euro, ISBN 978-3-89771-529-5

Seine Cartoons zieren unzählige Plakate. Mehrere hervorragende Sachcomicbände hat er auch schon veröffentlicht. Zum Beispiel im Verlag Graswurzelrevolution den schwarz-roten Leitfaden "Kleine Geschichte des Anarchismus". - Wer kennt ihn (noch) nicht, den findigen Zeichner, dessen Karikaturen zu einer Art Markenzeichen avancierten, ohne die libertäre Periodika wie Graswurzelrevolution und Direkte Aktion heute kaum noch zu denken sind?

Die Rede ist natürlich von Findus.

Nach "Kleine Geschichte des Zapatismus", zusammen mit Luz Kerkeling, ist der Zeichner neuerlich auf Kooperationskurs gegangen. Gemeinsam mit der Journalistin Caterina Metje hat Findus nun mit "Kleine Geschichte der Genossenschaften" einen ebenfalls im Unrast Verlag erschienenen Sachcomicband vorgelegt.

Idealer Leitfaden

Und der "kleine Leitfaden" hat es in sich. Der Bogen wird von den utopischen Sozialisten wie Robert Owen und Charles Fourier, den verschiedenen Gründungversuchen von Arbeiterkolonien, über die aus dem liberalen Bürgertum und der ArbeiterInnenbewegung heraus entstandenen Kredit-, Konsum- und Produktionsgenossenschaften bis hin zu den heute gewandelten Formen der Kooperativen gespannt. Durch drei Jahrhunderte hindurch.

Weder die Kibuzzim in Israel, noch die Kollektive in der Spanischen Revolution oder die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR werden dabei ausgeklammert. Beredtes Zeugnis dafür, dass die Idee fortlebt, geben die Kooperativen in Argentinien, Nicaragua und Mexiko. Aber auch in hiesigen Gefilden aus dem Boden sprießende Food-Coops, vergleichsweise junge Genossenschaften, etwa im Medienbereich und Verlagswesen, oder das Mietshäuser Syndikat.

Kollektiv und solidarisch

Doch nicht allein Bekanntes wird vorgestellt; viel mehr noch wurde dem Vergessen erst entrissen! Von besonderem Interesse erscheinen gerade all jene Versuche kollektiven Wirtschaftens, die über die bestehende Gesellschaftsordnung hinausweisen. Die nicht allein auf die Hebung des Lebensstandards all derjenigen Menschen angelegt waren, die daran partizipierten.

Einerlei, ob das nun aus der ArbeiterInnenbewegung heraus entstandene Genossenschaften waren, die von in Streiks entlassenen ArbeiterInnen gegründet wurden, oder jenen, die von vornherein darauf angelegt waren, die Arbeiterschaft in harten und entbehrungsreichen Kämpfen finanziell zu stützen.

Im Übrigen eine äußerst interessante Verzahnung, die auch für heutige Auseinandersetzungen von Belang wäre.

Am Ende weiß dieser Band Neugier zu entfachen. Und zwar auf all jene kollektiven Versuche, bei denen es den ProtagonistInnen von Grund auf um den Aufbau sozialer und ökologischer Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens ging. Also um nicht weniger als der Entwicklung einer Alternative zum Kapitalismus.

Auf den Punkt gebracht

Caterina und Findus stellen in diesem Band nicht nur Ideen und Ideale vor, die hinter derartigen Versuchen und Erfolgen steck(t)en. Sondern legen den Finger in die Wunde, beantworten die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen. Denn jede Bewegung steht zwangsläufig in einer Wechselbeziehung mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Nicht zu vergessen die Möglichkeit ihres Scheiterns entlang innerer Konfliktlinien.

Es ist eine bemerkenswerte Leistung, in einem knappen Band derart differenziert und anschaulich die Geschichte der Genossenschaftsbewegung samt ihrer Vorläufer und Ideengeber in Wort und Bild nachzuzeichnen! LeserInnen und BetrachterInnen wird eine anspruchsvolle und doch leicht verständliche Einstiegslektüre geboten. Die man wirklich getrost Tante Hilda und Opa Alfred an die Hand geben kann.

Darüber hinaus sei dieser Band all jenen ans Herz gelegt, die wissen wollen, wie es fernab zentralistischer Strukturen kollektiv und basisdemokratisch einfach besser zu machen ist.

Anarr
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