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377 märz 2013
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Maskulismus als neuer Antifeminismus

Andreas Kemper (Hg.): Die Maskulisten. Organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum, Unrast Verlag, Münster 2012, 184 S., 14 Euro, ISBN 978-3-89771-523-3

Der Herausgeber dieses wertvollen Beiträge-Buchs hatte die ursprünglichen Aufbrüche der von der damaligen feministischen Bewegung herausgeforderten Männer mit emanzipatorischem Anspruch Anfang der Achtzigerjahre selbst erlebt.

Damals wurden Selbsterfahrungsgruppen und dann Gruppen wie z.B. "Männer gegen Männergewalt" gegründet.

Es ging um eine eigenständige Entwicklung von Problembewusstsein, die Selbstkritik gewaltsamer Männlichkeit und die Unterstützung von Anliegen der Frauenbewegung (Profeminismus).

Die Graswurzelbewegung hat damals viel für die Entstehung dieser antisexistischen Männergruppen getan. Die vom Herausgeber Kemper erlebte "erste Männergruppe fand nicht zufällig während eines Camps der gewaltfreien und ökologischen Graswurzelbewegung statt" (S. 30).

Doch schon Anfang der Neunzigerjahre kam es durch die Veröffentlichung von Robert Blys Buch "Eisenhans" (1991) zum Gegenschlag der Wild-Men-Gruppen innerhalb der bald nur noch "Männerbewegung" genannten Erscheinung.

Die Zusätze "gegen Männergewalt" oder "antisexistisch" verschwanden oder erstarrten in entpolitisierender Institutionalisierung. Der Begriff "Männer" wurde identitätspolitisch aufgeladen, die selbstkritische Hinterfragung weitgehend verdrängt. Aus dem "Problembewusstsein" für patriarchale Verhaltensweisen und Privilegien wurde die ungehemmte Propaganda männlichen Selbstbewusstseins, die dann im nächsten Schritt aggressiv gegen den Feminismus gekehrt wurde. Der Begriff "Maskulinismus" wurde damals bereits für die "Wild-Men"-Strömung benutzt. Deren Diskurs zog weitere Kreise, wurde örtlich hegemonial und trieb viele antisexistische Männer (u.a. auch den Rezensenten) aus der Bewegung.

Seit einigen Jahren nun differenziert sich diese Strömung noch einmal in den "Maskulismus" aus - darüber handelt das Buch.

Während im Maskulinismus nach wie vor von einer männerdominierten Gesellschaft ausgegangen wurde und die maskulinistische Ideologie versucht hat, diese Männerdominanz antifeministisch zu stützen und zu legitimieren, wähnt sich die jüngste maskulistische Tendenz nun in falscher Verallgemeinerung von in Einzelfällen durchaus möglichen Benachteiligungen in einer "Femokratie" oder gar einem "Femi-Faschismus" (S. 135).

Der Mann sei das eigentliche Opfer in heutigen frauendominierten gesellschaftlichen Strukturen, sekundiert von einem Männer benachteiligenden Scheidungsrecht und den Kämpfen der Väter um das Sorgerecht für Kinder. Schlussfolgerung: Der Mann müsse aggressiv um seine Befreiung und seine Rechte kämpfen, weswegen zugleich auch von einer "Männerrechtsbewegung" gesprochen wird.

So kommt in diversen maskulistischen Internet-Foren Frauenhass zum Ausdruck, ungebremst von Administratoren, denen emanzipatorische Grundlagen abhanden gekommen sind, oder einem indifferenten Umfeld bis dahin, dass bekennende Antifeministen sogar selbst zu Foren-Administratoren aufsteigen können. So geschehen bei der Piraten-Partei, über die Gudrun Debus in ihrem informativen Beitrag eine erschreckende Innenansicht liefert.

Von dieser dialogunfähigen Hate-Speech aus gibt es dann einen fließenden Übergang zu Rassismus und Neonazismus, wenn z.B. der in Internetforen stark verlinkte Michail Savvakis behaupten kann, dass die "deutsche bzw. europäische Männlichkeit durch den Feminismus geschwächt worden sei" und damit kein Bollwerk mehr gegen eine angebliche Invasion "migrantischer, 'atavistischer' Männlichkeit" (S. 75) islamischer Männer bilden könne.

So absurd solche Konstruktionen klingen, in seinem aufschlussreichen Beitrag über die ideologischen Einflüsse des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik zeigt Herausgeber Kemper, wie wirkmächtig und tödlich solche Thesen werden können - die sich bisher in Deutschland noch auf Internetforen beschränken.

Die konfuse, ohne emanzipatorischen Maßstab geführte aktuelle Sexismus-Debatte der herrschenden Medien, die der Maskulistin Monika Ebeling eine Plattform boten, zeigt jedoch, dass der heutige postmoderne Diskurs mit seiner ihm innewohnenden Indifferenz und seiner gleichgültigen Toleranz wohl kaum in der Lage sein wird, gegen diese Tendenz im Zweifel entschiedenen Widerstand zu leisten.

S. Tachelschwein
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