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Eine Stimme der Friedensbewegung ist verstummt

Ein Nachruf auf Roger Willemsen (geboren am 15.8.1955 in Bonn ; gestorben am 7.2.2016 in Wentorf bei Hamburg)

Roger Willemsen ist mit 60 Jahren am 7. Februar 2016 an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Das macht uns traurig. Willemsen war ein brillanter Autor, eloquenter Moderator und ein empathischer Mensch.

Er traute sich, auch in den Mainstream-Medien Meinungen zu äußern, die sich ansonsten dort kaum eineR zu sagen wagte, 2009 etwa über die menschenverachtende "Germany's Next Topmodel"-Show. (1) Über Heidi Klum äußerte er sich in der taz: "Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit' redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge Entscheidung mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln - wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre."

Ich hatte das Glück, Roger Willemsen persönlich kennen zu lernen, auf dem bundesweiten Kongress "Vom Fernsehbild zum Feindbild", wo er sich u.a. auch als eifriger Leser der Graswurzelrevolution outete. Die Medien im Krieg, der Krieg in den Medien und der Krieg um die Mediengesellschaft waren die Themen, welche 120 Teilnehmende aus ganz Deutschland am 2. Februar 2002 in Münster beschäftigten. Im Mittelpunkt standen dabei die konkreten Erfahrungen von Journalistinnen und Journalisten mit Manipulation, Lügen und Propaganda während der jüngsten Kriege.

Kathrin Vogler kommentierte im Juni 2002 in der GWR 270: "Einleitend zog Roger Willemsen ein verheerendes Fazit der gegenwärtigen Situation. Nirgendwo sei die Gegenöffentlichkeit so diffamiert, kriminalisiert und an den Rand gedrängt worden wie in Deutschland, nirgendwo sonst sei so wenig Widerspruch gegen den Krieg geäußert und seien die Verlautbarungen der Regierungen so kritiklos übernommen worden. Dementsprechend wirkungslos seien die Versuche Einzelner geblieben, die Aufteilung der Toten in zwei Klassen zu verhindern und den Blick auf die afghanischen Opfer ebenso zu lenken, wie auf die amerikanischen. Willemsen warf viele Fragen auf, die in der Berichterstattung der Massenmedien unterzugehen drohen. Zum Beispiel die Tatsache, dass weltweit unzählige Terroristen und Gewaltherrscher ausgebildet und unterstützt wurden vom US-Geheimdienst, dass bislang weltweit nicht eine Person festgenommen wurde, der ein direkter Zusammenhang mit den Attentaten vom 11.9.2001 nachgewiesen werden konnte, dass vielmehr alle Verhafteten in den USA vollkommen unbescholtene und unauffällige Bürger sind, warum sich die Medien und Politiker mit offiziellen Ansichten des Gefangenenlagers Guantanamo Bay zufrieden geben, statt selbst die Haftbedingungen zu recherchieren." (2)

Da ich ebenfalls einer der Referenten dieses Friedens- und Medien-Kongresses war, interviewte Kathrin Vogler mich anschließend für die ZivilCourage, das Magazin der DFG-VK. Im Interview äußerte ich mich damals auch zur Kongressteilnahme des prominenten Fernsehmoderators:

"Besonders begeistert und überrascht war ich von Roger Willemsen und seiner hervorragenden Rede. Es war sehr erfrischend zu sehen, dass jemand, der so tief in dem Medienapparat steckt, trotzdem noch kritisch bleiben kann. Roger Willemsen ist allerdings auch in den großen Massenmedien, vor allem in der Bildzeitung, dafür abgewatscht und mit einer Schmutzkampagne überzogen worden, ähnlich wie der Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Von daher war es ein wichtiger Kongress, weil hier kritische Medienschaffende aus den großen Medien zusammengekommen sind mit Aktiven aus der Friedensbewegung und sich untereinander austauschen konnten. Das war für beide Seiten sehr fruchtbar und anregend. Die Diskussionen, die ich mitbekommen habe, fand ich supertoll. Was bezeichnend war: Keine der beiden Lokalzeitungen in Münster hat über den Kongress auch nur mit einer Zeile berichtet, obwohl er ein bundesweit herausragendes Ereignis war." (3)

Mit Roger Willemsen verliert auch die Friedensbewegung eine interessante und gut zu hörende Stimme.

Bernd Drücke (GWR-Red.)
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