Schnelle Konzerte und Muschi-Bescheidwisser

Wie üblich an dieser Stelle ein paar Takte zur Musik, die Auswahl ist subjektiv und zufällig, aber sei´s drum. Bitteschön:

| Nicolai Hagedorn

Das wahrscheinlich versierteste Punk-Album des Jahres kommt von The Menzingers. Die Band aus Scranton, Pennsylvania gibt sich auf „Hello Exile“ zwar vergleichsweise entspannt, dabei entstehen aber Midtempo-Hits wie „Strangers Forever“, „London Drugs“ oder „Strain Your Memory“ und dass Lieder übers Saufen nicht dümmlich sein müssen, demonstrieren sie mit „I Can´t Stop Drinking“ im Vorbeigehen auch noch. In „America (You´re Freaking Me Out)“ und „Strawberry Mansion“ wird überdies ordentlich geballert.

Ebenfalls geballert wird ja gerne bei den leicht ergrauten Herren von NOFX, die im Sommer mal wieder im Wiesbadener Schlachthof vorbeikamen (wie ungefähr jedes Jahr). Daran, dass man bei Fat Mike und seinen Kumpanen bei Konzerten das Gefühl nicht loswird, dass sie viel lieber Witze über Bad Religion machen, als den eigenen tausendmal gespielten Quatsch nochmal hinzurotzen, hat man sich ja längst gewöhnt, aber über die Jahre wurden die Konzerte insgesamt immer kürzer, der Laberanteil immer länger, aktuell sind sie bei knapp 80 Minuten Konzert inklusive Zugabe angekommen (das hat dieses Jahr nur The Offspring unterboten, die bei ihrem Gig in der Frankfurter Jahrhunderthalle nach 60 Minuten fertig waren). Vorteil: Um schneller wieder Quatsch reden zu können, spielen NOFX auch die Songs immer schneller!

Ebenfalls im Vorteil ist, wer die Band Wonk Unit kennt. Von der Gruppe um Mastermind Alex Brindle Johnson erscheint aktuell das 2018er-Album „Terror“ sowie die Best Of-Compilation The Fall And Rise Of Wonk Unit And The Pwosion From Croydon. Brindle ist eigener Auskunft zu Folge trockener Alkoholiker, schrieb einen Amazon-Bestseller und Sex-Ratgeber in öffentlichen Verkehrsmitteln, die ihn an seinen Arbeitsplatz, eine Baustelle, brachten. Das Buch wurde auch anderweitig zum Erfolg, wie Johnson kürzlich dem Ox-Fanzine im Interview verriet: „Ich habe meine Frau bei einer Lesung in ihrem feministischen Club kennen gelernt. Sie dachte sich: ‚Hmm, dieser Typ weiß über meine Muschi Bescheid …‘, haha. Und hier sind wir, zehn Jahre später und glücklich verheiratet.“ Wonk Unit fabrizieren mal mehr mal weniger inspirierten Poppunk, der in den besten Momenten an den sehr schönen Blödsinn von Toy Dolls erinnert. Man darf sich das gerne anhören.

Außerdem ans Leserherz sind zu legen die neuen Werke des wenn vielleicht nicht immer besser, dafür aber mindestens auch nicht schlechter werdenden Endboss´ Bruce Springsteen, der ein wundervolles neues Album mit ganz vielen schönen neuen Springsteen-Liedern namens Western Stars gemacht hat, sowie das neue Egotronic-Album Ihr seid doch auch nicht besser, das auf der GWR-Homepage besprochen wurde: https://www.graswurzel.net/gwr/2019/09/sind-wir-doch/

Nicolai Hagedorn