Der Geiger Klaus bei FFF

MokkA, Mukke, Muckefuck

Von der verändernden Kraft der Musik

 445 januar 2020 R@lf G. Landmesser

„Alle meine Entlein“ oder doch lieber „Leis, Kindlein, leis / da draussen schleicht der Preuss...“ „...Pommernland ist abgebrannt, Maikäfer flieg“? Mein Vater war im Krieg. Nicht in Pommern, sondern mit 17 im Ruhrgebiet als FLAKhelfer. Unser Nachbarhaus war ne schwarz ausgebrannte Ruine, sah ich raus aus dem inzwischen wieder verglasten Fenster, sah ich mehr von den zerbombten Trümmern unserer Straße, unter denen ganze Hausgemeinschaften verreckt waren. Es waren die 1950er Jahre – kurz nach dem „Endsieg“. Gesungen wurde da viel noch Vorkriegsgut und im Röhrenradio trällerte die leichte Schlager-Muse. Das Liedgut des zwölfjährigen 1000jährigen GroSSdeutschen Reiches hingegen war seltener, aber längst nicht weg. Zarah Leander immer noch in (die mit der NS-Amnäsie): „Ich weiß es wird noch mal ein Wunder geschehn...“, als man noch auf Wunderwaffen hoffte, und der rührselige Goebbels-Hausfreund Rühmann war auch wieder gut im Geschäft, auch gesanglich. Die etwas Verruchteren sangen schon mal „Macky Messer“, ohne wirklich zu wissen, dass das von Brecht war. Und bis ‚68 war es noch einigermaßen weit. Weiterlesen

„Aufspielen statt Abschieben“

Erfahrungsbericht von der Lebenslaute-Konzertblockade im Juni 2013

 445 januar 2020 Winfrid Eisenberg

Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk von Musiker*innen. Ihre Konzertblockaden richten sich gegen staatliche Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus. Anfang Januar 2020 erscheint im Verlag Graswurzelrevolution das von Lebenslaute herausgegebene Buch „Widerständige Musik an unmöglichen Orten. 33 Jahre Lebenslaute“ (25 Euro, ISBN 978-3-939045-39-7). Dieser Bild- und Dokumentationsband mit 180 fast durchgehend farbigen Fotos und zahlreichen Dokumenten ist sowohl ein Lesebuch als auch ein Bewegungs- und Geschichtsbuch. Als Vorabdruck bringen wir hier Winfrid Eisenbergs Erfahrungsbericht aus der Lebenslaute-Konzertblockade am 17. Juni 2013 vor dem Bundesinnenministerium Berlin (BMI), „Bühne“ 2, Bezugsgruppe „Ubuntu“. (GWR-Red.) Weiterlesen

Anarchistische Musik

Der Klang der Freiheit. Eine biographische Skizze

 445 januar 2020 Gerhard Hanloser

„Concert for Anarchy“ heißt ein 1990 von der Aktionskünstlerin Rebecca Horn geschaffenes Kunstwerk, zu sehen in der Tate Gallery of Modern Art in London. „Hoch unter der Lichtkuppel schwebt ein Konzertflügel, an den Beinen von der Decke baumelnd. In regelmäßigen Intervallen klappt er mit Gedröhn seinen Deckel auf und streckt lustvoll-aggressiv lange, wippende Tast-Zungen heraus. Mit respektloser Geste werden bei diesem ‚Concert for Anarchy‘ Ordnung und Werte auf den Kopf gestellt“, ist auf kunstforum.de zu lesen. In Anspielung auf dieses anarchische Piano heißt die Musikrubrik in der GWR seit einem viertel Jahrhundert „Concert for Anarchy“. In dieser GWR bieten wir Euch auf Seite 13 ff. anstelle nur eines „Concert“-Beitrags, einen kleinen Themenschwerpunkt „Widerständige Musik und Anarchie“. Den Auftakt macht Gerhard Hanloser mit folgendem Diskussionsbeitrag. (GWR-Red.) Weiterlesen

Der größte Trick des Punkers

Pascow, Razzia, Weller im Schnellcheck

 436 februar 2019 Nicolai Hagedorn

Dass Punk nie alt wird, habe ich mir so lange eingeredet, bis mich kürzlich junge Leute darauf aufmerksam machten, „in Deutschland“ seien auf Konzerten nur „weiße Köppe“. Damit waren Weißhaarige gemeint und die Beobachtung wäre noch um „Billiardkugeln“ zu ergänzen. Und wenn man ganz ehrlich ist, klingt Deutschpunk 2019 wirklich etwas angestaubt, auch wenn zumindest … Weiterlesen

Gekauft zu verrotten

Laura Jane Grace & the Devouring Mothers: Bought To Rot

 434 dezember 2018 Nicolai Hagedorn

Laura Jane Grace ist vieles, Transperson, Frontfrau der US-Punkband Against Me!, Anarchistin und jetzt auch Solokünstlerin. Mit Atom Willard, von Weezer einstmals zum „Drum-God“ erklärt und mit reichlich Erfahrung bei Bands wie Social Distortion, The Offspring oder Danko Jones ausgestattet und Jacob Hudson spielte sie jetzt ihr erstes Album „Bought to rot“ ein. Weiterlesen

“Eine gewisse anarchistische Grundhaltung”

Die Punkrocker von Pascow über Politik in der Musik, Grauzonenrocker und Dicke-Hose-Rockshows auf Festivals

 404 dezember 2015 Interview: Nicolai Hagedorn

Irgendwie sind die Herren aus dem Saarland in den letzten Jahren berühmt geworden mit ihrem melodischen Punkrock-Gewüte. So berühmt, dass selbst das Rockfeuilleton begeistert ist: "Für ihre Sicht der Dinge braucht es keine von Lowtzowsche Verschrobenheit, für ihre Musik keinen hippen 80s-Retro-Sound - und für ihre Relevanz kein Instagram oder Tumblr. Also, liebe Hörer dort 'Unten am Fluss' und anderswo, heben wir die halbvollen Gläser des Kulturpessimismus und stoßen an! 'Ein letztes Hoch auf die Beschissenheit der Dinge!' Denn solange es die gibt, sind Pascow hier noch lange nicht fertig." (plattentests.de) Weiterlesen