Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem die Künstlerin Isabel Lipthay, Winfried Bettmer (Filmwerkstatt Münster) und ich den Filmemacher Peter Lilienthal nominiert hatten, durfte ich im Dezember 2012 in Berlin die Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte (ILM) an Peter Lilienthal moderieren (die GWR berichtete).

Die Ossietzky-Medaille wird von der Liga seit 1962 verliehen. Ausgezeichnet werden alle zwei Jahre Personen oder Gruppen, die sich durch Zivilcourage und herausragendes Engagement für die Verwirklichung, Verteidigung und Erweiterung der Grund- und Menschenrechte und des Friedens verdient gemacht haben.

Für ihre Enthüllungen rund um den NSA-Überwachungsskandal werden nun der Whistleblower Edward Snowden, der Journalist Glenn Greenwald und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras mit diesem bedeutenden Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Edward Snowden, der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, hat mit seinen Enthüllungen den größten geheimdienstlichen Überwachungs- und Ausspähskandal aller Zeiten aufgedeckt. Mit seiner Gewissens- und Lebensentscheidung habe er seine persönliche Freiheit aufs Spiel gesetzt, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Poitras und Greenwald werden ausgezeichnet, weil sie Snowdens Informationen veröffentlicht haben. Beide haben sich mit ihrer couragierten Arbeit um die Menschenrechte verdient gemacht, betonte die ILM. Mit Blick auf die drei von der Jury ausgewählten Personen stellt Fanny-Michaela Reisin (ILM) klar: „Unsere Solidarität gilt zu aller erst dem Asylsuchenden Edward Snowden, der politischer Verfolgung ausgesetzt ist. Er musste die bittere Erfahrung machen, dass praktisch alle EU-Mitgliedsstaaten – die sich als ‚westliche Demokratien‘ bezeichnen – das universell verbriefte Menschenrecht auf politisches Asyl offenbar der ‚Freundschaft mit den USA‘ opfern. Ihm sowie Laura Poitras und Glenn Greenwald gebührt unser voller Einsatz für die Zusicherung eines völkerrechtlichen Schutzes ihrer körperlichen Unversehrtheit sowie der Garantie zur Ausübung ihrer unveräußerlichen Grund- und Menschenrechte. Gelebte Demokratie braucht größtmögliche Transparenz, transparente Demokratie braucht Whistleblower und Whistleblower brauchen menschenrechtlichen Schutz.“ (1)

Peter Lilienthal wird in Berlin eine Laudatio auf seine Kollegin Laura Poitras halten, die mit „Citizenfour“ einen bewegenden Dokumentarfilm über Snowden gemacht hat. (2)

GWR-Mitherausgeber Wolfram Beyer wird mit seiner Band TrioPaco für ein musikalisches Rahmenprogramm sorgen. Es würde uns freuen, wenn wir wieder viele Graswurzelrevolution-Freundinnen und -Freunde bei der Feier treffen.

Die Verleihung der nicht dotierten Ossietzky-Medaille findet am 14. Dezember 2014 ab 11 Uhr statt. Veranstaltungsort: Loft der Urania, An der Urania 17, 10787 Berlin.

Spendenkampagne

Die Rückmeldungen auf die seit Oktober 2014 mit vier vierfarbigen, und 24 statt 20 Seiten erscheinende Graswurzelrevolution sind sehr erfreulich. Ebenso die Resonanz auf unsere Spendenkampagne. Ein Riesendankeschön an den Computer-Spender und alle, die durch ihre (finanzielle) Unterstützung die Existenz der Graswurzelrevolution sichern!

Leider decken die Einnahmen noch nicht die steigenden Kosten. Die „Deckungslücke“ beträgt etwa 8.200 Euro pro Jahr, wenn sich das nicht ändert. Deshalb erscheint die GWR vorerst wieder mit 20 Seiten, wir setzen unsere Spendenkampagne fort und bitten Euch herzlich um weitere Spenden (siehe Seite 20).

Fehlerteufel und Erratum

Leider haben sich in den im November in der GWR 393 erschienenen Nachruf von Nicolai Hagedoren auf den Hamburger Graffiti-Aktivisten OZ mehrere Fehler eingeschlichen. In der Druckfassung sowie einer ersten Online-Version auf graswurzel.net war ein Zitat aus dem von Andreas Blechschmidt, KP Flügel und Jorinde Reznikoff herausgegebenen Buch „Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ (Assoziation A, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86241-424-6) nicht als solches gekennzeichnet und es war von einer Freundschaft zwischen Christoph Tornow und OZ die Rede. Diese Darstellung war nicht korrekt. Eine korrigierte Version findet Ihr auf unserer Homepage. (3)

Graswurzelrevolution im Theater

Am 12.10.2014 fand im Rahmen des reset-Festivals eine Sozialpalast-Veranstaltung im gut gefüllten Pumpenhaus-Theater in Münster statt. (4)

Bei einer Art Persiflage auf die zeitgleich in der ARD gezeigte Günther Jauch-Talkshow saßen u.a. GWR-Mitherausgeberin Cécile Lecomte, Michael Sturm (www.mobim.info), Volker Maria Hügel (Pro Asyl), Moderatorin Alexandra Hippchen und ich auf dem Podium. Nun ist die dreistündige Veranstaltung in einer sechsteiligen Online-Dokumentation der Filmemacherin Katrin Schnieders und des Künstlers Erik Biembacher zu sehen. In Teil 6 geht es u.a. auch um die Ukraine-Krise und die Graswurzelrevolution. Viel Spaß beim Gucken. (5)

Brisant

Viel Spaß auch beim Lesen der GWR Nr. 394, die Ihr gerade in den Händen haltet. Sie dürfte, nicht zuletzt aufgrund des Schwerpunkts – „Waffen für Rojava? Widersprüche des linken ‚Antimilitarismus'“ – einiges an Diskussionsstoff bieten. Ich freue mich schon auf die LeserInnenbriefe und weitere Diskussionsbeiträge zum Thema, die wir in den kommenden Ausgaben abdrucken werden.

Die GWR 394 ist wider Erwarten nicht die letzte Ausgabe des Jahres 2014. Die Januar-GWR 395 erscheint nämlich noch vor Weihnachten. Redaktionsschluss: 5. Dezember 2014.

Li(e)bertäre Grüße,

(1) Weitere Infos: http://ilmr.de/2014/festakt-zur-verleihung-der-carl-von-ossietzky-medaille-2014-an-edward-snowden-laura-poitras-und-glenn-greenwald-am-14-dezember-2014-um-1100-uhr-in-der-urania-berlin

(2) Infos: https://citizenfourfilm.com/

(3) www.graswurzel.net/393/oz.php

(4) http://sozialpalast.de/kunst/sozialpalast_reset.html

(5) www.youtube.com/watch?v=VCvvUHZ5e0I&feature=youtu.be