B. Travens „Geburt“ vor hundert Jahren: Was uns ein geflüchteter Geschichtenerzähler heute noch sagt
Gewidmet dem Traven-Forscher Wolf-Dietrich Schramm, genannt „Jason“ (14.03.1945–10.03.2025)
Liebe Leser*innen,
als GWR-Redakteur habe ich das Glück, Menschen kennenzulernen, die von einer freiheitlich-sozialistischen Gesellschaft jenseits von Herrschaft und Gewalt träumen. Zu meinen eindrücklichsten Begegnungen zählten die Treffen und intensiven Gespräche mit den Anarchosyndikalisten Helmut Kirschey (1913–2003) (1) und Abel Paz (1921-2009) (2), die die Soziale Revolution in Spanien 1936 erlebt und mitgestaltet haben.
„Anarchie ist nur gewaltfrei denkbar, sie bleibt das Fernziel der Menschheit.“
Mit diesen Worten beschreibt Augustin Souchy (1892–1984) im Film „Die lange Hoffnung“ (3)
seine graswurzelrevolutionäre Sicht. Der deutsche Anarchist spielte eine wichtige Rolle in der Spanischen Revolution. Aus seiner Sicht wurde vielen zutiefst antimilitaristischen Anarchosyndi-kalist*innen der bewaffnete Kampf von den Faschisten (zur Verteidigung) aufgezwungen, wohingegen andere, wie er selbst, in dieser existentiellen Situation ihren gewaltfreien Idealen im Kampf treu blieben.
Der Beginn der Sozialen Revolution in Spanien jährt sich am 19. Juli 2026 zum 90. Mal. Mit einem Schwerpunkt möchten wir an diesen „Kurzen Sommer der Anarchie“ erinnern.
Mein Dank gilt allen, die mit ihren Beiträgen diese Ausgabe ermöglicht haben. Besonders danken möchte ich der spanischen Künstlerin Isabel Ruiz Ruiz, die uns ihr schönes Porträt Amparo Poch y Gascóns für die Titelseite zur Verfügung gestellt hat.
Mit „90 Jahre Soziale Revolution in Spanien“ (S. 3 f.) skizziere ich, was sich 1936 in Spanien ereignete und warum das auch 90 Jahre später bedeutend ist.
Vera Bianchi stellt uns „Die Mujeres Libres (Freie Frauen) in der Spanischen Revolution“ (S. 5 f.) vor, außerdem die spanische Anarchistin Sara Berenguer Laosa (S. 7). An das Leben der antimilitaristischen Anarchistin und Ärztin Amparo Poch y Gascón (S. 8) erinnert Gisela Notz.
Mit dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs flohen 1939 Tausende vor den Franco-Faschisten nach Frankreich. Viele von ihnen landeten nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Frankreich in deutschen KZs. Erich Hackl erinnert mit „Nummer oder Mensch. Vor und nach der Befreiung: Spanier in Mauthausen“ (S. 9) an die Geschichte der spanischen Antifaschist*innen, die nach der Befreiung aus dem KZ Mauthausen in Österreich bleiben mussten.
Sören Brinkmann erzählt in „Bürgerkrieg der Erinnerungen“ (S. 10f.) über Francos Erbe, die Memoria-Bewegung und die Politik der Vergangenheit im heutigen Spanien.
Dieter Nelles schreibt über „Deutsche Anarcho-syndikalist*innen im Spanischen Bürgerkrieg“ (S. 12 f.) und über „Die Amsterdamer Kisten“ (S. 25), Almudena Rubios Buch über Margaret Michaelis und Kati Horna, Fotografinnen der CNT-FAI. Unter dem Titel „Gegen Hitler und Franco“ (S. 25) stellt uns GWR-Mitherausgeberin Silke die neuen Biografien über die anarchistischen Spanienkämpfer Willy Muth und Fritz Benner vor. Comics über die Spanische Revolution (S. 14) sind Thema der Kolumne von Maurice Schuhmann.
Unter dem Titel „Durrutis Ei wird sich öffnen“ (S. 22 ff.) skizziert Jens Kastner Episoden aus der Geschichte des künstlerischen Internationalismus im Spanischen Bürgerkrieg.
Der Spielfilm „Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“ (S. 21) von Carla Simón nimmt uns mit auf eine Reise in die jüngere spanische Geschichte.
Militarisierung, Iran, Mexiko, Nicaragua, Ulm 5, Bakunin, B. Traven und Co.
Franz Nadler widmet sich der Militarisierung in Frankreich (S. 1, 20).
Shouresh und O.G. analysieren die aktuellen Geschehnisse im Iran und hier: „Statt Krieg und Staatsterror: Frau, Leben, Freiheit!“ (S. 1, 19).
Um Attacken auf linke indigene Organisationen in Mexiko geht es auf Seite 24, um Kontinuitäten, Brüche, Leitbilder, Botschaften und Aktionsformen im zweiten Teil von „50 Jahre Nicaragua-Solidarität“ (S. 18).
Zwei Beiträge beschäftigen sich mit dem Prozess gegen die „Ulm 5“ (S. 17), fünf Aktivist*innen, die wegen ihrer Aktion gegen den Rüstungskonzern Elbit Systems in Haft sitzen.
Elmar Wigand nimmt in seiner Kolumne (S. 26) die Machenschaften der Medienkanzlei Schertz Bergmann unter die Lupe und Elisabeth Voss möchte „Den Status quo durchlöchern“ (S. 27).
Dem 150. Todestag von Michail Bakunin am 1. Juli widmet sich der Artikel „Kolossal für Gleichheit und Freiheit“ (S. 15 f.).
Aachener Friedenspreis
Der Aachener Friedenspreis geht 2026 an die Palestinians and Jews for Peace (PJFP) aus Köln sowie die Organisation Unidos MN und das Kollektiv von The Smitten Kitten, die gemeinsam den gewaltfreien Widerstand der Zivilgesellschaft in Minneapolis/USA gegen die staatliche Gewalt durch die Bundesbehörde ICE und die sogenannte „Operation Metro Surge“ verkörpern.
Die GWR hat viele Beiträge von PJFP-Aktivistinnen veröffentlicht. Diese Texte sind in dem von mir im Verlag Graswurzelrevolution herausgegebenen Sammelband „Die Kriegslogik durchbrechen! Graswurzelrevolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg“ (4) zu finden. Die Initiative wurde im Oktober 2023 als Reaktion auf die Gewalt im Nahen Osten gegründet. Sie besteht aus palästinensischen, jüdischen und weiteren solidarischen Freund*innen. Ausgehend von feministischen, emanzipatorischen Werten setzen sie sich für einen empathischen Umgang zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen ein.
Wir freuen uns sehr und gratulieren den Palestinians and Jews for Peace ganz herzlich. Das habt Ihr sowas von verdient! Ebenso den Unidos MN und dem Kollektiv von The Smitten Kitten, über deren Aktivitäten wir in der GWR (5) berichtet hatten.
Leider ist uns in der GWR 509 ein Fehler unterlaufen. In der Überschrift des Artikels von Gisela Notz zu Etta Federn (S. 18) ist das Todesjahr mit „1981“ angegeben. Das ist falsch. Am Ende des Artikels steht das richtige Todesdatum: 1951.
Wenn Ihr vom GWR-Lesen eine Pause braucht, hier ein Hörtipp: Radio Corax (Halle) hat am 12. Mai eine Sendung zum Thema „Debanking“ (6) produziert und mich u.a. zum Debanking-Angriff auf die GWR befragt.
Über Eure Solidarität (7) freuen wir uns! Die GWR 511 erscheint im September, nach unserer alljährlichen Sommerpause. Ich hoffe, dass Euch die Lektüre der GWR 510 ermutigen kann. Uns allen wünsche ich einen schönen Sommer, Anarchie und Glück,
Bernd Drücke
(1) Siehe: Helmut Kirschey und die Spanische Revolution. Ein Leben gegen den Faschismus, Artikel von Bernd Drücke, in GWR 314, Dezember 2006, https://www.graswurzel.net/gwr/2006/12/helmut-kirschey-und-die-spanische-revolution/
(2) Siehe: Martin Baxmeyer, Bernd Drücke, Luz Kerkeling (Hg.): Abel Paz und die Spanische Revolution, Edition AV, Frankfurt/M. 2004
(3) https://www.youtube.com/watch?v=RWUQzBGKztc
(4) Buchvorstellungen „Die Kriegslogik durchbrechen!“: 9.6., 16:15 Uhr, Uni Hamburg, Raum 104, Haus AP1 (Allende-Platz 1), 1. Stock. ; 11.7., 19 Uhr, Susi-Café, Vaubanallee 2, Freiburg
(5) Siehe: https://www.graswurzel.net/gwr/2026/03/minneapolis-wo-radikale-nachbarschaftshilfe-den-leviathan-entmachtet/
(6) https://www.mixcloud.com/radiocorax/projektil_2026_05_12_debanking/
(7) Siehe Seite 28
Gewidmet dem Traven-Forscher Wolf-Dietrich Schramm, genannt „Jason“ (14.03.1945–10.03.2025)
Die iranische Opposition und die politische Bedeutung von Symbolen
1936 erhoben sich Millionen Menschen gegen den faschistischen Franco-Putsch
Spanische Ärztin, Anarchistin, Syndikalistin, Pazifistin, Dichterin
Francos Erbe, die Memoria-Bewegung und die Politik der Vergangenheit im heutigen Spanien
Comics / Graphic Novels über den Spanischen Bürgerkrieg und die Soziale Revolution
Kontinuitäten und Brüche, Leitbilder, Botschaften und Aktionsformen – Teil 2
Episoden aus der Geschichte des künstlerischen Internationalismus im Spanischen Bürgerkrieg
Margaret Michaelis und Kati Horna, Fotografinnen der CNT-FAI im Spanischen Bürgerkrieg
Wir benötigen wieder 10.000 Euro Spenden und 200 Neuabos, um über die Sommerpause zu kommen