„Wir sind gar nicht anarchistisch!“

Ein Interview mit der Kabarettgruppe Der Blarze Schwock

 303 november 2005 Interview: Bernd Drücke, Oktober 2005

"'Linke Chaoten' gelten allseits als verbissene Barrikadenkämpfer, die das Schweinesystem hassen und keinen Humor kennen. Münsters Autonome beweisen jedoch Sinn für Witz und Selbstironie. Die linksextreme Kabarett-Gruppe ‚Der Blarze Schwock' aus den Reihen studentischer Demoaktivisten verarscht neben Bullen und Bonzen auch gern den unfreiwilligen Ernst der eigenen Szene. Das kommt an: das Kabarett mit dem schwarz-roten Anarcho-Stern tourt durch besetzte Häuser und autonome Zentren der ganzen Republik." (Ultimo, Uni-Spezial, SoSe 2002) Eine einmalige Sache hatte es werden sollen, damals, 1997, als das Kabarettensemble Der Blarze Schwock zum ersten Mal in Münster die wacklige Bühne der Baracke betrat. Seither hat sich viel getan: Zwei abendfüllende Programme mit politischem Kabarett sind über die Bühne gegangen - "Fischer, friß' misch net!" (1998) und "Die Muse hat mich gebissen" (2001) - und die Auftrittsorte des Blarzen Schwocks lesen sich inzwischen wie das Ortsverzeichnis einer Landkarte der Bundesrepublik - zumindest wie deren nördlicher und östlicher Teil, denn südlicher als Karlsruhe hat es die Gruppe nie geschafft. Sei es beim Wendlandsommercamp, bei Anti-Atom-Aktionen, beim 30 Jahre Graswurzelrevolution Kongress im Sommer 2002, in frisch besetzten Häusern oder alteingesessenen Kleinkunstkellern, Der Blarze Schwock sorgt landauf, landab für Furore. "Münsters gefährlichster Nebenwiderspruch" (junge Welt), das sind Katrin Huxel (geboren 1976), Daniel Korth (geboren 1969), Torsten "Bewi" Bewernitz (geboren 1975) und der Liedermacher Martin "Baxi" Baxmeyer (geboren 1971). Das dritte Programm ist gerade in der Mache. Grund genug für ein bisschen Kabarett im Graswurzelrevolution-Redaktionsbüro. Weiterlesen

„…das ideologische Wesen der Bilder dekolonisieren“

Ein Gespräch zu antirassistischen Bildpolitiken mit Araba Evelyn Johnston-Arthur (Kulturwissenschaftlerin und Aktivistin) und Jo Schmeiser (Künstlerin und Autorin)

 303 november 2005

Wer, wann und wo etwas sagt, schreibt oder abbildet, ist entscheidend dafür, wie das Gesagte, Geschriebene und Abgebildete gelesen wird. Mit diesem Zusammenhang befasst sich die Repräsentationskritik. Repräsentation ist nie ein neutraler Vorgang von Darstellung, Vorstellung, Abbildung oder Wiedergabe, sondern immer in Herrschaftsverhältnisse verstrickt. Sie bringt diese zum Ausdruck, reproduziert sie oder kämpft - bestenfalls - dagegen an. Das gilt für künstlerische Produktionen ebenso wie für Bilder ganz allgemein. Also auch für solche, die soziale Bewegungen zum Gegenstand haben. Ausgehend von der Diskussion um filmische und künstlerische Repräsentationen und darüber hinaus gehende Bildpolitiken, die im Weblog Here to stay! (www.dia-log.at) der "Diagonale. Festival des österreichischen Films" 2005 stattgefunden hat, fragten wir nach den Logiken, Verwertungsmechanismen und Paternalismen, aber auch nach Möglichkeiten, Handlungsfeldern und Spielräumen politischer Bildproduktion im Kunstfeld und anderswo. (Die Red.) Weiterlesen

Poetry for Anarchy

Ein Interview zum zehnten Geburtstag des libertären Literaturprojekts Blackbox

 294 dezember 2004 Interview: Bernd Drücke, November 2004

Ende 1994 wurde in Bielefeld das anarchistische Literaturprojekt "Blackbox" ins Leben gerufen. Seitdem arbeiten die Autoren Michael Halfbrodt (*1958) und Ralf Burnicki (*1962) als libertäres Poetenduo zusammen. Sie publizieren u.a. in der "Edition Blackbox", beim Verlag "Edition AV" (Frankfurt/Main), in der anarchosyndikalistischen DA, in der GWR ... Landauf, landab lesen sie in libertären Zentren, Literaturcafés und bei Kulturveranstaltungen, wie z.B. zum 25sten und 30sten Geburtstag der Graswurzelrevolution 1997 in Köln und 2002 in Münster. Das zehnjährige "Blackbox"-Jubiläum war im Oktober Anlass einer Feier und (natürlich) einer Lesung (vgl. GWR 292). Weiterlesen

Die Kamera zieht in den Krieg

Das fotographische Werk von Robert Capa, Albert-Louis Deschamps und Kati Horna im spanischen Bürgerkrieg

 286 februar 2004 Joseph Steinbeiß

Der spanische Bürgerkrieg (1936-1939) war gewiß nicht der meistfotographierte Krieg des 20. Jahrhunderts. Dafür aber war er der Krieg, in dem zum ersten Mal eine junge, spektakuläre Neuerung der europäischen und US-amerikanischen Presselandschaft, die politische Fotoreportage, eine so entscheidende Rolle spielte, daß ein Foto von der Aragón-Front, veröffentlicht in einem europäischen Massenblatt, die Politik ganzer Staaten beeinflussen und gelegentlich über Krieg und Frieden mitentscheiden konnte. Der spanische Bürgerkrieg markiert die Geburtsstunde der modernen Kriegsfotographie: Weiterlesen

Wie kam die Jungfrau zum Kinde?

Die 3 Tornados, Mary, Josef, Jesses und "Das Krippenspiel"

 274 dezember 2002 Bernd Drücke

"'Drei Tornados' bleibt Auftritt im Sportzentrum vorerst verwehrt. Stadt befürchtet Herabwürdigung der Kirche - Netzwerk sieht Zensur" Landsberger Tageblatt, 21.8.1984 "(...) Das Gänseskelett schimmert im Mondlicht. Die leeren Flaschen stehen auf dem Balkon. Die Gier schlüpft in den Karton. Der Neid schnarcht schon. Da findet auch die Eitelkeit endlich ihre Ruhe. Und alles ist egal." Günter Thews, "Weihnachtsgeschichte in neuer Fassong", taz Berlin 1991 Weiterlesen