graswurzelrevolution
227 märz 1998
aktuelle ausgabe abo & service archiv buchverlag news & infos vernetzung über uns graswurzelladen home
stern / zerbrochenes gewehr
beilage: kein krieg am golf!
>> 227 märz 1998

Frankreichs Interessen

Der zurückhaltende Kurs Frankreichs in der Golfkrise ergibt sich nicht etwa aus einer pazifistischen Haltung der sozialistisch-kommunistisch-grünen Regierung Jospin, sondern aus nationalen Wirtschaftsinteressen, die seit langem mit dem irakischen Regime verknüpft sind. 1974 begrüßte der damalige Premierminister Chirac Saddam Hussein mit den Worten: "Sie sind mein persönlicher Freund". Chirac verschaffte seinem Freund zwei Forschungsreaktoren für eine irakische Atombombe, die von der israelischen Luftwaffe 1981 zerstört wurden. In den 80er Jahren führte der Irak im Interesse der westlichen Staaten Krieg gegen den Iran. Frankreichs Rüstungsindustrie lieferte dafür mehrere Mirage-Kampfflugzeuge, brandneue Artillerie und fünf Super-Etendard-Bomber, deren Piloten in Frankreich ausgebildet wurden und später Angriffe auf iranische Öltanker im Golf flogen. Noch 1988, im letzten Jahr des damaligen Krieges, bekam der Irak 50 Mirage 2000 geliefert. Irakische Rüstungsaufträge machten für einige französische Waffenhersteller 40 % ihrer Produktion aus. Die Millionen-Rechnungen wurden von der "Coface" beglichen, nachdem der Irak zahlungsunfähig wurde. Die "Coface" ist mit den "Hermes"-Exportversicherungen vergleichbar, nach welchen bei Zahlungsunfähigkeit staatliche Versicherungen einsetzen und so die SteuerzahlerInnen für vakante Rüstungslieferungen aufkommen. Bezahlt haben die französischen Waffenlieferungen auch Kuwait und andere Nachbarn Iraks. Daher war Frankreichs Unterstützung der US-Bombardements im zweiten Golfkrieg kein Widerspruch zur vorherigen Politik.

Das Ölembargo nach 1991 lag im US-amerikanischen, aber zunehmend weniger in französischem Interesse. Bei knapperem Ölangebot erzielte Saudi-Arabien auf dem Weltmarkt höhere Gewinne und konnte so seine Schulden für die Waffenkäufe bei der US-Rüstungsindustrie abtragen, während Frankreich leer ausging. Frankreich war daher an einer Lockerung des Embargos interessiert. Seit dem UN-Abkommen "Öl gegen Nahrung" 1996 war auch die Pariser Irak-Connection wieder in Gang gekommen. Die Einnahmen des Irak liefen auf die Konten der französischen Banque Nationale de Paris. 1997 sicherten sich die französischen Ölkonzerne "Elf" und "Total" Kauf- und Förderverträge in großem Umfang. Auch beim Wiederaufbau der Infrastruktur des Irak ist zukünftig zu erwarten, daß die irakischen Aufträge eher an französische, denn an britische oder US-Unternehmen gehen (Angaben nach "Freitag", 13.2.98).

>> zurück zum inhaltsverzeichnis

Volltextsuche
Themen
Ausgaben

Artikel zum gleichen Thema

US-Kriegsgegnerin nach Abschiebung inhaftiert
news & infos 15.10.2012

US-Kriegsgegnerin droht Abschiebung aus Kanada
news & infos 17.9.2012

Vorverfahren gegen Bradley Manning
366 februar 2012

"Dem eigenen Staat hat jeder Staatsbürger die Treue zu halten"
360 sommer 2011

US-Deserteur André Shepherd nominiert für Panterpreis
news & infos 15.8.2010

US-Deserteur André Shepherd braucht Asyl!
news & infos 1.9.2009

"Wir werden nicht ruhen, bis die Kriegsverbrecher vor Gericht stehen"
news & infos 15.5.2009

Die Pflicht, sich zu verweigern
336 februar 2009

Keine Abschiebungen in den Irak!
news & infos 20.4.2008

"Ich habe keine Gewissheit"
324 dezember 2007

"Counter Recruitment"
316 februar 2007

"Meine Menschlichkeit wiedergewinnen"
299 mai 2005

Im Irak wurde gewählt
298 april 2005

Nach der US-Wahl eskaliert der Krieg im Irak
294 dezember 2004

Sexuelle Herrschaft in Uniform
291 sommer 2004

>> alle verwandten artikel





 


 aktuelle ausgabe   abo & service   archiv   buchverlag   news & infos   vernetzung   über uns   graswurzelladen   home 
graswurzelrevolution redaktion@graswurzel.net / www webmaster@graswurzel.net