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272 oktober 2002
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>> 272 oktober 2002

Politische Brandstiftung

Warum 1992 in Rostock das Ausländerwohnheim in Flammen aufging

Am 24.8.1992 richtete sich der kritische Blick der Weltöffentlichkeit für kurze Zeit auf Rostock, Stadtteil Lichtenhagen. Vor einer Aufnahmestelle für Asylsuchende und einem Wohnheim von VietnamesInnen tobte tagelang unter dem Beifall der einheimischen Bevölkerung ein rassistischer Mob, dessen Auswüchse in pogromartigen Zuständen gipfelten. Angereiste Neo-Nazi-Kader, u.a. Christian Worch, koordinierten und lenkten in einer hohen Organisationsstruktur die BrandstifterInnen. Die Polizei reagierte augenscheinlich hilflos, die politisch Verantwortlichen schienen gleichfalls gelähmt. Der damals hinter vorgehaltener Hand geäußerte Verdacht, die Eskalation sei gewollt gewesen, die in Land und Bund regierende CDU habe das "Problem" nur zuspitzen wollen, um Mehrheiten auf der Straße und im Parlament für die von ihr beabsichtigte Änderung des Asylrechts zu bekommen, scheint begründet zu sein. Mehr noch: Unter Missachtung rechtstaatlicher Regeln wurde die vorhandene menschenfeindliche Stimmung geschürt - "Das Boot ist voll! Asylantenflut; Wer soll das bezahlen?, Scheinasylanten..." - und genutzt, um am 26.5.1993 im fast parteiübergreifenden Konsens die faktische Abschaffung des Asylrechts durchzusetzen. Jochen Schmidt, freier Journalist und Politikwissenschaftler, gehörte zu dem ZDF-Team, das in der Brandnacht von Rostock-Lichtenhagen mit 120 VietnamesInnen in dem brennenden Haus eingeschlossen war und nur knapp dem Tode entkam. Zehn Jahre nach den Pogromen wurden die Prozesse gegen 44 Angeklagte eröffnet, drei von den Brandstiftern zu Jugendstrafen - Höchstmaß 3 Jahre - verurteilt. Jochen Schmidt hat für sein Buch "Politische Brandstiftung" (Edition Ost, Berlin 2002) jahrelang recherchiert und Hinweise entdeckt, die belegen: PolitikerInnen in Bonn, Schwerin und Rostock wollten ein Fanal. Und sie legten geschickt die Brand-Sätze! Anhand eines Videos wird der Autor im Oktober in mehreren Städten an die ungeheuerlichen Vorgänge erinnern und durch Lesungen aus seinem Buch die politischen Verstrickungen deutlich machen.

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Anmerkungen

Lesungen und Buchvorstellungen mit Jochen Schmidt, jeweils ab 20 Uhr:

22.10., Druckluft, Am Förderturm 27, Oberhausen

23.10., Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, R. 6, Bochum
(Veranst.: Radio Bonte Koe & Nordsüdbüro)

24.10., ESG, Breul 43, Münster
(Veranst.: Graswurzelrevolution-Redaktion, ESG, AStA, Infoladen Bankrott)


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