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>> 276 februar 2003

Kampagne gegen Sterilisationsmaßnahmen an kurdischen Frauen

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Frau in einer Ecke in Kurdistan, in die sich selten ein Arzt verirrt. Ohnehin hätten Sie nicht die finanziellen Möglichkeiten, eine medizinische Behandlung zu bezahlen. Und dann kommen sie gleich mit drei Ambulanzen, erzählen Ihnen etwas über notwendige Gesundheitsmaßnahmen in einer Sprache, die Sie nicht beherrschen, bringen sie in ein Krankenhaus in die nächste Stadt, wo Handlungen an Ihnen vollzogen werden, die Sie nicht begreifen und über die Sie aus Scham nicht sprechen können. Und nach Monaten stellen Sie fest, dass Sie keine Kinder mehr bekommen können...

So erging es am 16. Januar 2002 mindestens 17 Frauen aus der Ortschaft Özekli in 60 Kilometer Entfernung von Diyarbakir in Kurdistan-Türkei. Öffentlich gemacht wurde der Fall jetzt auf dem "Symposium zu Gewalt gegen Frauen und Medizin" durch die Vorsitzende der Frauenkommission der Anwaltskammer von Diyarbakir, Meral Danis.

Laut Danis haben sich mehrere Betroffene mit der Bitte um Hilfe an verschiedene zivilgesellschaftliche Institutionen gewandt. Daraufhin eingeleitete Untersuchungen haben ergeben, dass ein dem Gouverneur von Diyarbakir unterstelltes Ärzteteam in dem betreffenden Fall von Haus zu Haus gegangen ist und die Frauen ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Betroffenen wussten nicht einmal, weshalb sie operiert werden. Wie Danis erklärte, seien ähnliche Fälle auch aus Mardin, Adiyaman, Adana und Van bekannt geworden.

Sterilisierungsmaßnahmen gegen kurdische Frauen wurden bereits Mitte der neunziger Jahre durchgeführt, als der Türkische Nationale Sicherheitsrat erklärte, dass der Bevölkerungszuwachs des kurdischen Bevölkerungsteils eine Gefahr für die Türkei darstelle. Es wurde daraufhin ein Maßnahmenpaket zur

Bevölkerungsregulierung gegen diese Entwicklung beschlossen. Damals wurde mit Hormonspritzen bei den Frauen nicht nur Verhütung durchgesetzt, sondern durch Überdosis der Hormongebungen gleich Unfruchtbarkeit erreicht. Seitdem sind immer wieder ähnliche Fälle bekannt geworden. Die betroffenen Frauen werden entweder ohne ihr Wissen sterilisiert oder mit verschiedenen Methoden unter Druck gesetzt, damit sie den Eingriff an sich vollziehen lassen.

Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um eine faschistische Methode der Bevölkerungsregulierung gegen den kurdischen Bevölkerungsteil in der Türkei, um einen Verstoß gegen Menschenrecht und Medizinerethik und um eine Form der Folter an Körper und Seele kurdischer Frauen. Als Kurdisches Frauenbüro für Frieden verurteilen wir diesen rassistischen Angriff auf das Recht auf Unversehrtheit der Frau auf das Schärfste.

Zivilgesellschaftliche Organisationen in Diyarbakir, wie das Frauenzentrum Selis, der Menschenrechtsverein IHD, Ärzte- und Anwaltskammer führen zur Zeit weitere Nachforschungen zu dieser besonderen Form der Menschenrechtsverletzung an.

Um ihre Arbeit zu unterstützen und für eine sofortige Beendigung der Maßnahmen zu sorgen, brauchen wir Ihre Hilfe.

Cenî
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Kontakt

Cenî, Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.
Grupellostr. 27
D-40210 Düsseldorf
Tel: +49 (0) 211 / 1 71 10 80

Fordern Sie den neuen Ministerpräsidenten der Türkei Abdullah Gül und Innenminister Abdülkadir Aksu dazu auf, sofort zu intervenieren.

Abdülkadir Aksu
Innenminister
Icisleri Bakanligi
06644 Ankara
Republik Türkei
Fax: (00 90) 312 418 1795

Abdullah Gül
Ministerpräsident
Basbakanlik
06573 Ankara
Republik Türkei
Fax: (00 90) 312 417 0476

Kopien an:
Ceni - Kurdisches Frauenbüro für Frieden
Fax: 0211 / 171 10 78
info@ceni-kurdistan.de

Kanzlei der Botschaft der Republik Türkei
(S. E. Herrn Osman Taney Korutürk)
Fax: 030 / 2759 0915
turk.em.berlin@t-online.de


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