graswurzelrevolution
319 mai 2007
aktuelle ausgabe abo & service archiv buchverlag news & infos vernetzung über uns graswurzelladen home
stern / zerbrochenes gewehr
beilage: sturmwarnung - no war! no g8!
>> 319 mai 2007

Die Gewalt der Globalisierung

Selbstinszenierung und Wirklichkeit

Einleitung zu dieser GWR-Aktionszeitung

Herzlich Willkommen in der schönen neuen Welt des Weltmarktes für alles und jeden!

Hier gibt es - wie so oft in der Geschichte des kapitalistischen Projekts - Millionen Ausgegrenzte, "Überflüssige" und VerliererInnen. Sie werden nicht gebraucht, auch kaum noch als Reservearmee. Sie stören, stellen nur Kostenfaktoren dar, am Ende vielleicht eine Gefahr für das ganze Projekt.

Die G 8-Staaten repräsentieren nicht nur das industrielle Potential der Welt, sondern z.B. auch die blutige Internationale der Rüstungsindustrie: zwischen 1998 und 2003 haben sie 84 % der weltweit verkauften Waffen geliefert, allein die USA etwa die Hälfte davon. Zwei Drittel der Waffen gingen an Entwicklungsländer, wo sie den bewaffneten Arm der unsichtbaren Hand des Marktes bilden. Die Rahmenbedingungen des Marktes müssen von einem "starken Staat" oder von einem Staatenbündnis gesichert werden.

Dabei sind die Krisen der kapitalistischen Ideologie und ihre abnehmende Glaubwürdigkeit deutlich genug. Es mangelt allerdings an libertär-sozialistischen Gegenutopien einer Weltgesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg, die der strukturellen wie direkten Gewalt des expandierenden Kapitalismus eine massenhaft überzeugende Grenze zieht.

Über der Kritik des globalisierten Kapitalismus wollen wir nicht die Kritik seiner scheinbaren Alternativen vergessen, die ebenfalls nicht wünschenswert wären: Der patriarchal kontrollierende Sozialstaat in nationalen Grenzen (wie er in diversen sozialdemokratischen Varianten derzeit in Lateinamerika wieder zu Ehren kommt) oder gar ein diktatorischer Etatismus, der Gleichheit gegen Freiheit ausspielt. Diese politischen Formen bestehen weiter und in verschiedenen Kombinationen mit aggressiv-kapitalistischer Ökonomie (sehr offensichtlich in Russland und China). So kann die Debatte ewig weiter laufen: "Mehr Markt!" contra "Mehr Staat!". Unsere Perspektive ist eine andere: Selbstorganisation, Bruch mit den Formen autoritärer, patriarchaler, rassistischer und sexistischer Ausbeutung und nationalstaatlicher, militaristischer Unterdrückung.

Die G 8-Treffen sind Selbstdarstellungen einer Antwort "von oben" auf Krisen des internationalen ökonomischen Systems, das immer auch von Konkurrenz geprägt und kein homogener Block ist.

Die Umsetzung ihrer Erklärungen in nationale Politik - und die Ebene des Nationalstaats ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung - erfolgt keineswegs automatisch oder selbstverständlich, sondern vermittelt über Weltbank, IWF, WTO, lokale Staatenbündnisse und ökonomische Zusammenschlüsse: EU, Nafta, ASEAN.

Alle diese Organisationen ermangeln demokratischer Legitimation, nicht zuletzt deshalb sind die Beschlüsse der G8 zunächst einmal Absichtserklärungen, die natürlich durch Staatsapparate und Medienmacht durchgesetzt werden sollen, aber immer auch auf vielfältige Gegenbewegungen treffen können. An diesen Widerständen können die "Herren der Welt", worauf ja ihre Selbstinszenierung hinausläuft, schnell als "Kaiser ohne Kleider" sichtbar werden.

Die Illusion der Beherrschbarkeit, Planbarkeit, Steuerungsfähigkeit des Systems kann an der Überkomplexität der Probleme wie der fehlenden Legitimation der "Lösungen" zerbrechen.

>> zurück zum inhaltsverzeichnis

Volltextsuche
Themen
Ausgaben

Artikel zum gleichen Thema

Polizei vs. Blockupy
380 sommer 2013

"Occupy war eine Generalprobe"

Peter Grottian: "Soziale Bewegungen praktizieren zu wenig zivilen Ungehorsam"
378 april 2013

Kapitalismus - sonst nichts?
374 dezember 2012

This is not a love song
370 sommer 2012

Markt und Politik
369 mai 2012

Von der Demokratisierung der Städte zur Sozialen Ökologie
368 april 2012

Demonstrationsverbot zum G8-Gipfel

Jetzt erst recht! Schluss mit der Repression gegen die Anti-G8-Bewegung!
news & infos 21.5.2007

Die Gewalt der Globalisierung

Die Globalisierung der Gewalt

"Hilflose Helfer", "Überflüssige", Hunger!

Der Kampf um Rohstoffe

Den Nationalstaat unterminieren und überschreiten!

Grenzen, die wir nicht anerkennen!
sturmwarnung - no war! no g8! (319 mai 2007)

Die Gewalt der Globalisierung

Mit Hammer und Pinsel
319 mai 2007

Aufruf zu Massenblockaden gegen den G8-Gipfel 2007
news & infos 10.1.2007

Der Heilige der Prekarisierten
299 mai 2005

Bergwandern in Schottland
298 april 2005

Das Weltsozialforum und die (Gegen-)Macht
297 märz 2005

Sisterhood is not something easy to find

Who the fuck needs the ESF?
293 november 2004

Ham Dekhenge, Ham Dekhenge
287 märz 2004

Zug um Zug in eine bessere Welt
281 sommer 2003

Der Wind der Veränderung
274 dezember 2002

"Breitere Bewegung - durch Bier auf Demo"
272 oktober 2002

Globalisierung, Soziale Bewegung und Emanzipation...
270 sommer 2002

Vielfältig gegen das Europa des Kapitals
268 april 2002

Attac! Attac?
267 märz 2002

Diskussion über die transnationale Revolution

Sich den Herausforderungen des Kampfes gegen Globalisierung stellen
262 oktober 2001

Gipfel der Staatsgewalt

Neue Strategien
261 september 2001

Die Revolution stirbt nicht am Erfrierungstod
255 januar 2001

Vom möglichen Ende der Vorgeschichte als Anfang neuer Wege
verlag graswurzelrevolution

Globalisierung der Solidarität gegen das Kapital

WiderSTAND ORT: Prag
251 september 2000

Ein wahres Fest des Widerstands: Blockade der WTO in Seattle
245 januar 2000

G7: Kein Gipfelsturm
241 september 1999

People's Summit
227 märz 1998

Tigersprung in den Abgrund!
226 februar 1998





 


 aktuelle ausgabe   abo & service   archiv   buchverlag   news & infos   vernetzung   über uns   graswurzelladen   home 
graswurzelrevolution redaktion@graswurzel.net / www webmaster@graswurzel.net