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337 märz 2009
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>> 337 märz 2009

Die Protestbriefe haben noch nicht gewirkt

Betr.: Zensur gegen www.graswurzel.net und andere libertäre Internetseiten

Liebe Leserinnen und Leser der Graswurzelrevolution,

durch den Schüler Felix H. wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Homepage der Graswurzelrevolution an - nach Angaben des Betreibers - "Tausenden Schulen" blockiert wird und von SchülerInnen nicht gelesen werden kann, weil dies durch einen "Schulfilter" verhindert wird. In der GWR 336 wurde über diesen skandalösen Fall von Internetzensur informiert.

Nun schreibt Felix H.:

"Ich habe mir heute mal ein wenig Zeit genommen, die Linklisten von utopia und GWR durchzugehen, was alles gesperrt ist, hier bei mir in der Schule. Vorweg: Die Mails haben wohl noch nicht gewirkt, denn graswurzel.net funktioniert weiter nicht! Ähnlich sieht es bei VIELEN verlinkten Seiten aus. Screenshots dieser Seiten habe ich mal in eine ZIP-Datei gepackt, die ihr im Anhang findet. Viele Grüße, Felix, der Zensur zum Kotzen findet!"

Unter den blockierten Links ist so ziemlich alles, was irgendwie mit Anarchismus zu tun hat, z.B. die Homepages des Trotzdem-Verlags und des A-Camps.

Sehr gefreut haben wir uns z.B. über Torsten Bewernitz Offenen Brief an "Schulfilter Plus", den wir hier dokumentieren:

"Betr.: Sperrung der Homepage 'graswurzel.net' durch Ihren Schulfilter Plus

Sehr geehrte Damen und Herren,

ebenso erstaunt wie empört war ich, als ich im Editorial der aktuellen Ausgabe der Zeitung 'Graswurzelrevolution' (Nr. 336, Feb. 2009) sowie in dem Leserbrief eines Schülers in der selben Zeitung lesen musste, dass Ihr Produkt 'Schulfilter Plus' die Homepage der Zeitung www.graswurzel.net sperrt.

Erstaunlich ist dies, da die Graswurzelrevolution seit eh und je vielfältiges, kaum an anderer Stelle erhältliches Material für pädagogische und Bildungszwecke enthält. Als die beiden relevantesten Beispiele möchte ich erwähnen, dass auf Anregung eines Beitrags in der Graswurzelrevolution Unterrichtsmaterialien zum Thema 'Die dritte Welt im Zweiten Weltkrieg' erschienen sind, erstens und dass ein Bericht über die Maquiladora-Industrie Lateinamerikas aus der Graswurzelrevolution in ein Schulbuch (m.W. aus dem Hause Westermann-Verlag) übernommen wurde. Regelmäßig werden Schulpraktika in den Redaktionsräumen der Graswurzelrevolution absolviert, ohne dass bisher Schulen einen Einwand dagegen erhoben hätten.

Aus meiner eigenen Erfahrung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Bochum und Münster kann ich Ihnen zahlreiche Beispiele nennen, in denen Studierende in Seminaren im Rahmen der Friedens- und Konfliktforschung für Referate und Hausarbeiten auf die Graswurzelrevolution zurückgegriffen haben. Die Publizistik-Studentin Cornelia Oed und der Soziologie-Student Dominik Hanning konstatieren in wissenschaftlichen Untersuchungen - beide auf der Homepage der Graswurzelrevolution nachzulesen - eine Orientierung der Zeitung am Friedensjournalismus nach Johan Galtung.

Ich selber habe im Rahmen meiner Promotion die Berichterstattung der Graswurzelrevolution über den Kosovo-Konflikt analysiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie im Vergleich sowohl mit der 'grauen' wie auch der Tagespresse bei weitem die untendeziöseste Berichterstattung über den Konflikt lieferte. Auch diese Untersuchung habe ich der Zeitung zur Verfügung gestellt, sie ist ebenfalls (gekürzt) auf der Homepage dokumentiert.

Als empörend empfinde ich die Argumentation, mit der laut Dr. Bernd Drücke, Koordinationsredakteur der Graswurzelrevolution, die Homepage für Schüler und Schülerinnen gesperrt ist: 'Politisch extrem/Hass/Diskriminierung' entnehme ich seinem aktuellen Editorial.

Stellen wir mal anhin, dass Sie für die erste Kategorie unkritisch die Argumentation des Verfassungsschutzes übernehmen, so wird sich kein Argument für die anderen beiden Kategorien finden lassen.

Nur wenige Medienprojekte in Deutschland setzen sich permanent (seit nahezu 40 Jahren!) und intensiv gerade gegen Hass und Diskriminierung ein. Diese Argumentation ist vollkommen unverständlich.

Der Fernsehsender 'Sat 1' sendet momentan eine Doku-Soap mit dem Titel 'Gnadenlos gerecht', in der zwei 'Sozialfahnder' vermeintliche 'Hartz IV-Betrüger' entlarven. Diese Sendung schürt soziale Konflikte und ist de facto diskriminierend. Die Bild-Zeitung fällt regelmäßig auf wegen ihrer Ausfälle in Richtung von sozial Schwachen und Migranten und hat eine Anzahl an Rügen des Medienrats, die sich mit keinem anderen Printmedium messen kann. Haben Sie die Homepages des Senders und der Zeitung ebenfalls für die Jugendlichen gesperrt?

Ich erwarte von Ihnen eine Begründung der Entscheidung, warum die Graswurzelrevolution offenbar so gefährdend für unsere Jugend ist, und bitte dringend um ein Überdenken dieser Praxis.

Mit freundlichen Grüßen,

Torsten Bewernitz"

Wir sind der Meinung, dass es sinnvoll ist, sich ähnlich wie Torsten Bewernitz direkt bei "Schulfilter Plus" zu beschweren. Einige GWR-LeserInnen haben dies erfreulicher Weise schon getan, oft aber bisher noch keine Antwort erhalten. Unsere Homepage wird nach wie vor blockiert.

Weitere Protestbriefe sind also wichtig. Sie sollten gerichtet werden an:

TIME for kids, Gubener Str. 47, 10243 Berlin. Tel.: 030/29369890, Fax: 030/293698919, E-Mails: foundation@time-for-kids.de ; kontakt@time-for-kids.de

Bernd Drücke (GWR-Red.)
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