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Kämpfe von Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen verbinden

„Der lauteFrühling“ zeigt Perspektiven gegen Kapitalismus und Klimakrise auf

| Peter Nowak

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Foto: Film-Still, mm filmpresse

In dem Film  „Lauter Frühling“ begründet Regisseurin Schellhagen, warum kämpferische Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen gemeinsam agieren und eine neue Welt schaffen sollen, die eben kein grüner Kapitalismus sein soll.

„Gemeinsam aus der Klimakrise“: Der Untertitel von Johanna Schellhagens neuestem rund einstündigem Film klingt zunächst nicht besonders spannend. Schließlich erwarten wir in der Regel die Aufforderung, den Gürtel enger zu schnallen und in der Gesellschaft zusammenzurücken, wenn Appelle mit dem Wort „gemeinsam“ beginnen. Doch wer Filme von Johanna Schellhagen, der Mitbegründerin der Plattform labournet.tv, kennt, weiß, dass sie nicht in diese Tradition gehört. Schließlich ist sie seit Jahren bekannt für ihre Filme und Videos über die Klassenkämpfe in aller Welt. Immer kommen dabei die Arbeiter*innen selbst zu Wort. Aus diesem Fundus schöpft die Regisseurin auch bei ihrem neuesten Film „Der laute Frühling“, in dem sie begründet, warum kämpferische Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen gemeinsam agieren und eine neue Welt schaffen sollen, die eben kein grüner Kapitalismus sein soll.

Der Film ist ein Diskussionsangebot an die Klimabewegung, weil es die Möglichkeiten aufzeigt, die ein gemeinsames Agieren von Lohnabhängigen und Klimaaktivist*innen eröffnen würde

 

Im ersten Teil kommen Aktivist*innen vor allem aus dem globalen Süden zu Wort, die wegen ihrer Aktivitäten gegen umweltschädliche Projekte multinationaler Konzerne verfolgt werden. Sie machen auch die Dringlichkeit klar, die Kämpfe gegen die Klimakrise, gegen Kapitalismus und Umweltzerstörung zusammenzubringen. Das ist in der hiesigen noch recht jungen Klimabewegung natürlich noch längst nicht Konsens. Aber auch hier ist vielen Aktivist*innen mittlerweile klar geworden, dass die Lösung der Klimakrise nicht in noch mehr Minister*innen mit grünem Parteibuch liegen kann. Der Film ist ein Diskussionsangebot genau an diese Klimabewegung, weil es die Möglichkeiten aufzeigt, die ein gemeinsames Agieren von Lohnabhängigen und Klimaaktivist*innen eröffnen würde.

Für einen Systemwechsel

„In der globalen Klimabewegung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir einen Systemwechsel brauchen. In ‚Der laute Frühling‘ schauen wir mit Hilfe von animierten Sequenzen in die Zukunft und beschreiben, wie jene tiefgreifende gesellschaftliche Transformation, die wir brauchen, aussehen könnte“, erklärt Schellhagen. Diese Zukunft beginnt im Film schon 2024 und ist tatsächlich ziemlich futuristisch.

Die Klimakrise und die sozialen Verwerfungen wachsen im ganzen Land, aber auch der Widerstand der Bevölkerung nimmt zu. Es gibt große Streiks, nur die Arbeiter*innen im Lebensmittel- und Caresektor arbeiten weiter, weil sie für lebenswichtige Güter oder Dienstleistungen verantwortlich sind. Radio- und Fernsehstationen werden besetzt, öffentliche Großküchen übernehmen die Essensversorgung. Es sind gleichzeitig Orte der sozialen Revolte.

Wenn Klimaaktivist*innen das ehemalige VW-Werk in Wolfsburg verteidigen

Im Rahmen des Aufstands bilden sich Räte, und es kommt zur Besetzung von Fabriken. Klima- und Betriebsaktivist*innen lernen sich kennen. Am vierten Tag des Aufstands kommt es zu Räumungsversuchen von Polizei und Militär. Aktivist*innen rufen über die besetzten Radios zur Unterstützung der besetzten ehemaligen VW-Werke Wolfsburg auf. Dort werden dann schon keine Autos, sondern gesellschaftlich nützliche Produkte hergestellt.

Auf den ersten Blick mag man denken, es handle sich bei den Szenen um Science-Fiction ohne jeden realen Bezug zur Wirklichkeit. Doch im Sommer 2021 kämpften Klimaaktivist*innen gemeinsam mit den Beschäftigten eines von Schließung bedrohten Bosch-Werks in Bayern für den Erhalt des Werks mit umweltfreundlichen Produkten. Vielleicht hätte ein kleiner Hinweis darauf im Film deutlicher gemacht, dass die Zukunftsutopien durchaus Realität werden könnten.

Aber auch so wird der Film Diskussionen auslösen. Es wäre zu hoffen, dass es dabei tatsächlich zu Kontakten zwischen Klimabewegung und Arbeiteraktivist*innen kommt. Dann könnte der Film die Rolle eines kollektiven Organisators spielen, der unterschiedliche Milieus zusammenbringt. Das ist gerade in einer Zeit, in der die unterschiedlichen gesellschaftlichen Szenen oft nur in ihrer eigenen Blase kommunizieren, wirklich sehr wichtig.

Der laute Frühling. Gemeinsam aus der Klimakrise, Johanna Schellhagen, BRD 2022, 62 Minuten, labournet.tv

Der Film hatte am 2. August 2022 im Kino Toni und Tonino in Berlin-Weißensee Premiere. Weitere europaweite weite Aufführungstermine finden sich hier:

https://de.labournet.tv/project/der-laute-fruehling