es wird ein lächeln sein

Anarchie in Hamburg

Anarchistische Perspektiven auf Wissenschaft – Die Fünfte

| R@lf G. Landmesser

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Fotos: Jonas Bengtson via flickr.com (CC BY 2.0), Ulrich Scharwächter via flickr.com (Public Domain Mark 1.0)

Vom 31. Oktober bis 3. November 2019 fand an der Uni Hamburg der fünfte Kongress „Anarchistische Perspektiven auf Wissenschaft“ statt. Vier Tage Anarchie an der Elbe. (GWR-Red.)

Ein Ort wie Hamburg ist für Wissens- und Erfahrungsweitergabe ein unverzichtbarer Impuls. So wie die Geschichtsvergessenheit von vielen Linken und Libertären auf dem Kongress „Perspektiven auf Wissenschaft“ zu Recht beklagt wurde, so war gerade dieses Treffen in vielfacher Hinsicht eine Möglichkeit, dieser Geschichte und den daraus ableitbaren Konsequenzen Rechnung zu tragen. In den Vorträgen und Workshops kam es zu diesem Austausch, der im Alltag und an der alltäglichen Uni so oft fehlt.

„Radikale Bildungskurse: Anarchistische Bildung selbst machen“ – Schwarze Ruhr Uni Bochum

Im Workshop der Schwarzen Ruhr Uni wurde erörtert und aufgezeigt wie autonome Seminare und selbstbestimmtes Lernen an der Uni und außerhalb von ihr selbst organisiert werden können. Der strukturierte Vortrag mit ein paar Übungen, gab den Anwesenden, meist jungen Leuten, aber auch einigen älteren, eine nachvollziehbare Handhabe, wie emanzipatives Lernen aussehen könnte, das mensch nicht aus der Hand gibt, sondern selbst entwickelt. Zwar gab es das auch schon in den 1980er und 90er Jahren an den Unis, aber das verlorene Wissen darum muss wohl immer wieder neu und erneuert wiederentdeckt werden. Dass Lust und Lernen nahe beieinander liegen, bewies nicht nur der Vortrag des Genossen der Schwarzen Ruhr Uni, der erzählte, dass ihr Beziehungsworkshop bisher der erfolgreichste sei, sondern auch der Workshop zu Musik und Anarchismus, der auch am Samstag stattfand (siehe unten).

Mujeres Libres – Libertäre Kämpferinnen

In Vera Bianchis Vortrag und Workshop am Freitag zu den Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg zeigte sich, wie wichtig die Weitergabe und Wiederentdeckung geschichtlicher Fakten und Erfahrungen aus der anarchistischen Bewegung ist. In einer seit Jahrhunderten römisch‑katholisch verseuchten Kolonialmacht Spanien mit Inquisition, totalitärer Adelsherrschaft und kirchlichem Feudaleigentum, war die Emanzipation der Frauen der vielleicht wichtigste Akt der Sozialen Revolution 1936. Zwar zeigte sich, dass auch die revolutionär in Bewegung geratenen Massen noch von Machismo und patriarchalem Denken durchtränkt waren, aber die Öffnung der Gesellschaft bot die Möglichkeit zu revolutionärer Emanzipation. Diese wurde durch die Nutzung der modernen Massenkommunikation über Buch, Zeitschrift, Plakat, Radio und Film zu einem Sprengsatz unter der Predigtkanzel und gegen den angreifenden Klerikalfaschismus. Vieles davon mutet auch heute noch hochmodern an und wirkt hinein in unsere Zeit (vgl. Interview mit Vera Bianchi in GWR 442). Der „Syndikalistische Frauenbund“ in der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD), über den Vera Bianchi aktuell forscht, nimmt sich dagegen recht handzahm aus und kam auch quantitativ bei weitem nicht an die Mujeres Libres heran.

Ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert
Hanna Mittelstädt in der Uni Hamburg, 1. November 2019. Foto: Ralf G. Landmesser

Das Highlight der Veranstaltungsreihe war vielleicht die Präsentation der A-Interviews unseres Dottore Drücke, den einst die Uni Münster aus der Lehre entsorgte und der inzwischen ein fast epochal-enzyklopädisches Werk von Stimmen des deutschsprachigen Anarchismus in seinen mittlerweile vier Büchern der „Ja! Anarchismus“-Reihe versammelt hat – und nicht daran denkt, damit aufzuhören. Zusammen mit Vera Bianchi präsentierte Bernd Drücke in wechselnder Rede exemplarische Interviews aus der erweiterten Neuauflage von „ja! Anarchismus“, darunter den großartigen Filmemacher Peter Lilienthal, der am 27. November 2019 90 Jahre alt geworden und in unseren Reihen auch durch seinen Film „Malatesta“ bekannt ist. Nun kam aber die Dritte im Bunde ins Spiel. Die Mitgründerin des Hamburger Verlags „Edition Nautilus“, Hanna Mittelstädt, mit der Bernd Drücke nun ein Live-Interview führte, wiewohl Hanna natürlich schon mit zwei Interviews in den Ja-Anarchismus-Büchern vertreten ist.

Viel zu interviewen gab es da nicht, denn Hanna ergriff mit einer begeisternden Verve das Wort, dass sich einfach nur gebanntes Zuhören einstellen konnte, einzig unterbrochen von gelegentlichen Zwischenfragen, die prompt und sachkundigst beantwortet wurden. Hanna rollte vor aller Augen die Geschichte des Verlages und dessen politischen Hintergrund seit 68er Tagen auf, eine wahre Zeitzeugin bewegter Tage. Schon der Slapstick, wie der ehemals MAD-Verlag (Materialien, Analysen, Diskussion) geheißene Verlag seinen Namen aufgeben musste, weil er verrückter Weise ausgerechnet vom deutschen Ableger des stellenweise anarchischen US-Comic-Magazins MAD verklagt wurde und nicht etwa vom Militärischen Abschirm Dienst (MAD) der alten BRD. In den alten MAD-Zeiten entwickelte sich der Verlag über direkte Kontakte zur Situationistischen Internationale, die im Mai ‚68 in Frankreich mit ihren neuen Agitations- und Kritikmethoden eine große Rolle spielte. Hanna rollte deren Geschichte auf und manche*r staunte über die SI-Vorläufer, die „Lettristen“ aus den 1950er Jahren.

Über die SI gab es 2019 eine große Ausstellung im HKW in Berlin, wo auch alle entsprechenden Nautilus-Bücher präsent waren. Bei MAD machte unter anderen die Broschüre „Über das Elend im Studentenmilieu“ Furore, die sich mit der psychosozialen Situation der damaligen Student*inn*enschaft befasste. Mit einem verlegerischen Glückstreffer in der Krimi-Landschaft („Tannöd“) gelang es dem Verlag nach Jahrzehnten, einen riesen Bestseller zu landen, der sofort in voluminöse und inhaltlich schwergewichtige Werke wie „Durruti“ von Abel Paz, Emma Goldmans „Gelebtes Leben“ oder z.B. das wichtige „ANARCHIE!“ von Horst Stowasser, der dieses Jahr zehn Jahre nicht mehr unter uns weilt, investiert wurde.

Hanna, die vor sechs Jahren ihren Partner und Nautilus-Mitgründer Lutz Schulenburg verloren hat, machte einen keineswegs resignierten Eindruck, sondern zeigte in all ihren Äußerungen, dass sie nach wie vor für die libertäre Sache brennt und große Hoffnungen in neue Bewegungen von unten, wie z.B. die Fridays for Future, setzt. Nach Hannas fulminantem „Interview“-Vortrag, der hier nicht einmal ansatzweise wiedergegeben werden kann, setzte Bernd Drücke auf den gelungenen Abend noch einen drauf, indem er überraschend gekonnt einen hochsatirischen Song der anarchistischen Kabaretttruppe „Die Drei Tornados“ zum Besten gab. Dass es zum Abschluss „nur“ Applaus für das Podium und keine „VivA-Rufe“ gab, ist wirklich erstaunlich.

Herrschaftsfreie Institutionen

Am Freitagmorgen hatten schon Rüdiger Haude und Thomas Wagner ihre gemeinsamen anthropologischen Forschungsergebnisse zu Gesellschaften ohne Staat zum Besten gegeben und damit den Horizont der Zuhörenden erheblich erweitert. Beide ehemalige Studenten von Professor Christian Sigrist, beschäftigen sich nun schon seit Jahrzehnten mit diesem Thema, in dem Sigrist ein Pionier war. Ihr erstmals 1999 erschienenes Buch „Herrschaftsfreie Institutionen“ ist soeben in einer überarbeiteten Neuauflage im Verlag Graswurzelrevolution herausgekommen. Inzwischen gibt es weitere aktuelle Studien von anderen Wissenschaftler*innen, die die entsprechende Erkenntnislage erheblich erweitert haben und damit aufzeigen, dass das Forschungsinteresse an libertär organisierten und so tendierenden Gesellschaften aus ideologischem Interesse und eurozentristischer Nabelschau bis in die 1970er Jahre und darüber hinaus ignoriert wurde und wird. Heute kann es keinen vernünftigen Zweifel mehr geben, dass libertär strukturierte Gesellschaften existieren und schon immer existiert haben. Staat ist nicht alternativlos. Das selbstreferentielle Forschen der „Staatisten“ ist längst durch Menschen wie Harold Barcley, David Graeber sowie andere und nicht zuletzt unsere beiden Protagonisten erschüttert und aufgebrochen. Ob dies in absehbarer Zeit zu einem erkenntnistheoretischen Aufbruch und Wandel größeren Ausmaßes führen wird, steht allerdings noch dahin.

Gustav-Landauer-Ausstellung

Für viele Anwesende war auch die aus Berlin angereiste „Gustav-Landauer-Ausstellung“ ein Aha-Erlebnis, war doch von einigen anerkennend zu hören, dass sie nicht geahnt hatten, dass Landauer eine solch wichtige und vernetzte Persönlichkeit gewesen ist. In der auch anderswo präsentierbaren Ausstellung steckt viel jahrzehntelange wissenschaftliche Forschungsarbeit, die längst noch nicht abgeschlossen ist. Landauer mit seinen vielfältigen Aktivitäten als Schriftsteller, Theaterschaffender, politischer Philosoph, Aktivist im „Sozialistischen Bund“ und als Vorläufer der Alternativbewegung hat eine Unmenge Menschen auf ihrem Lebensweg beeinflusst und tut dies bis heute. Hermann Hesse, Martin Buber, Erich Mühsam, Heinrich Mann und Oskar Maria Graf, sowie die weniger bekannte, aber höchst aktive Margarethe (Faas-)Hardegger sind nur einige der vielen Namen, die in seinem Wirkungskreis zu finden sind. Die deutsche Geistesgeschichte tut bisher wenig, den Anarchopazifisten und seine Lebensgefährtin Hedwig Lachmann zu würdigen. Immerhin haben sich die Stadt München und der Berliner Bezirk Kreuzberg inzwischen entschlossen, Landauer Denkmäler zu widmen. Die mehrfach stattfindenden sachkundigen Führungen durch die Ausstellung taten ein übriges, den Interessierten Landauer nahezubringen, der als aktiv Mitwirkender der Münchner Räterepublik (Volksbeauftragter für Bildung) vor 100 Jahren am 2. Mai von der antisemitischen weißen Soldateska im Knast Stadelheim ermordet wurde.

Bakuninhütte

In einem neuen Licht wurde die Bakuninhütte bei Meiningen (Thüringen), die vor kurzem zum sozialen Denkmal erklärt wurde, von Anna Regener und Hölzi präsentiert. Die alte FAUD-Wanderhütte, die von drei deutschen Staaten hintereinander entschädigungslos enteignet wurde und nach langem Ringen vom „Wanderverein Bakuninhütte“ gegen viele harte Euros wiedererworben werden musste, wurde von den beiden Archäolog*inn*en im Lichte der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der dazu notwendigen Arbeitsweisen vorgestellt. Dadurch ergaben sich neue spannende Perspektiven auf die Vergangenheit und die mögliche Zukunft des immer noch von reaktionärer Seite behinderten Projekts, das mittlerweile assoziiertes Naturfreundehaus ist. Schon der Verein hatte über viele Jahre erhebliche Forschungs- und Recherchearbeit geleistet, die von vielen Erfolgen gekrönt war und in Ausstellungen mündete. So konnten zum Beispiel Fragmente des Hüttenspruchs sichergestellt, die historischen Musikinstrumente, die Bibliothek, die original Wanderstockbeschläge, das Hüttenbuch und andere Artefakte wieder zusammengebracht und mit letzten Überlebenden der alten FAUD-Zeit ein Dokumentarfilm gedreht werden. Die nun weitergeführte archäologische Arbeit wird hoffentlich zu zusätzlichen Erkenntnissen und Funden führen. Der beeindruckende Vortrag fand großen Beifall.

Nach diesem intensiven Freitag fanden leider nur noch wenige CompAs zusammen mit der Anarchistischen Initiative den Weg in die „Jupi-Bar“ im sicherlich sehenswerten Gängeviertel, das erfolgreich von einer Künstlerinitiative besetzt worden war und nun einen legalisierten neuen Freiraum für viele Möglichkeiten bildet. (1)

Musik und Anarchistisches

Nachdem dem erschöpften Schreibenden nicht nur das Gängeviertel, sondern auch der Samstagmorgen entgangen war, an dem von about:fem Köln in den Anarchafeminismus eingeführt wurde und Martin Loeffelholz drei Thesen zu einer „Neuformulierung des Anarchismus“ aufstellte, fand am frühen Nachmittag, von Gerhard Hanloser vorbereitet, ein Workshop zu Musik und Anarchismus statt.

Gerhard Hanloser hatte zu diesem Zweck aus seinem Fundus einige mehr oder weniger historische A-Tonträger mitgebracht und eine kleine Broschüre mit Texten zusammengestellt. Allerdings blieben die Teilnehmenden gleich am ersten Text hängen, der von Ton-Steine-Scherben (TSS) stammte und der „Musik als Waffe“ im politischen Kampf propagierte. Naturgemäß schieden sich gleich hier die Geister und die wichtige Band TSS, ihre Message und ihre Entwicklung hin zu mehr kommerzialisierter Musik bestimmte über weite Strecken die Diskussion, so dass Gerhards weitere Textsammlung gar nicht mehr zur Sprache kam (mensch konnte sie aber mit nach Hause nehmen). Erstaunlicherweise ging es wenig um das immanent Anarchische in der Musik, umso mehr aber um ihre Stilrichtungen. Der weltberühmte experimentelle Musiker und Anarchist John Cage kam beispielsweise nur am Rande vor. (Punk-)Rock- und Rap-Fans saßen sich zeitweise verständnislos gegenüber und ein ehemaliger bekannter Punkrocker proklamierte, dass er nur noch Jazz und Blues höre. Andere brachen zu Recht eine Lanze für die Weltmusik, die die verschiedensten Impulse aufgenommen hätte, während die Techno-Fraktion eindeutig in der Minderheit war und sich beinahe auch noch anhören musste, dass eine bestimmte Form von Techno protofaschistisch wie Marschmusik sei. Die einen konnten Texten/Lyrics viel abgewinnen, während Andere nur den Rythm-Sound bevorzugten. Klassische Anarchist*inn*ensongs auf Deutsch waren kaum auszumachen. Politbarden wie Woody Guthrie, Degenhardt, Biermann oder Konstantin Wecker wurden fast vergessen und dem Vergessen musste mensch auch so manche anarchistische Band entreißen, selbst wenn sie Anarchist Academy hieß. Bei dem vielen Dissens blieb die Diskussion dennoch interessant, lebendig und respektvoll der anderen Meinung, der anderen Vorliebe gegenüber. Die anberaumte Zeit wurde locker überzogen, während immer noch weitere neue Aspekte auftauchten. Angeregt diskutierend wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass dieser Workshop noch einige Fortsetzungen haben müsste.

Anarchistisch älter werden – (Wie) Geht das?

Bei Gerhard Grüneklee aus Bremen mit dem Thema „Anarchistisch älter werden“ hatten sich glücklicherweise nicht nur überwiegend Ältere eingefunden. Nach einer Pause diversifizierte sich allerdings die Gruppe nach Alterskategorien, da sich insbesondere ein paar Frauen nicht zum zufällig übrig gebliebenen Häufchen „alter Zausel“ hinzufinden mochten. Allerdings waren sich alle einig, dass respektvoll und interessant diskutiert worden sei und mensch durchaus bereichert und gedanklich angeregt den Workshop verlasse.

Auch an diesem Samstag stellte sich bei vielen eine gewisse Erschöpfung ein. Bei mir reichte es nicht mehr zur Teilnahme bei Jule Ehms und ihrem Workshop zur historischen Freien Arbeiterunion Deutschlands (FAUD). Auch „Geschlecht in rechten Medien“ vom Infotisch Dortmund musste unbesucht bleiben, ebenso wie Konzert und Fete im Knallhart-Keller, zumal ich selbst am Sonntagmorgen zu nachtschlafender Zeit aus-checken und um 10 Uhr zum Vortrag antreten sollte. Mir schwante Schreckliches.

Die Münchener Räterepublik und Ret Marut (B. Traven)

Schrecklich müde schaffte ich es dennoch pünktlich vor 10 Uhr im Vortragssaal zu erscheinen, während das Café Knallhart noch knall-zu war. Vor dem Saal traf ich schon den nimmermüden Lou Marin am Graswurzelrevolution-Büchertisch an – aber sonst eigentlich niemanden. Nur ein junger Mann hatte sich eingefunden, offenbar auch nicht recht glücklich um die frühe Stunde. Ansonsten war der Saal gähnend leer – auch niemand von den Organisator*innen weit und breit. Und ich brauchte doch den Beamer! Schließlich stellte sich heraus, dass wir eine halbe Stunde zu früh dran waren – es begann erst um 10:30 Uhr. Aber um 10:30 Uhr begann es natürlich nicht und ich glaubte schon, außer mir seien alle abgereist.

Doch um 11 herum füllten sich die Reihen. Auch die Mienen der wenigen Pünktlichen hellten sich auf. Hell erstrahlte der Beamer. Trotz des Sonntagmorgens hatten sich am Ende schätzungsweise 50 Leute eingefunden und hörten intensiv zu, was ich über die Münchener Räterepublik von 1919, Erich Mühsam und vor allem über Ret Marut (Volksbeauftragter für das Pressewesen, Vorsitzender der Ausschusses für ein Revolutionstribunal) und 1917-1921 Herausgeber der frechen anarchistischen Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“, zu erzählen hatte.

Der später berühmteste Autor aus den Reihen der Münchener Räterevolutionär*innen kommt nämlich in Literatur und Forschung zur Bayerischen Räterepublik kaum vor. Als B. Traven wurde Ret Marut, nunmehr in Mexiko, 1925 zum Starautor der neugegründeten Büchergilde Gutenberg und bald zum Weltautor. Dies ohne einen Augenblick von seinen revolutionären Grundsätzen abzuweichen. Seine ersten Romane: „Der Wobbly“ (Die Baumwollpflücker) und „Das Totenschiff“, beides Bestseller, letzterer bis heute! Fast alle BT-Romane wurden verfilmt, „Der Schatz der Sierra Madre“, eine Story um Goldgier, mit drei Oscars. Das war auch vielen hier neu. So wurde denn über zwei Stunden zugehört und nachgefragt, bevor vier an- und aufregende Tage mit Anarchismus an der Uni Hamburg zu Ende gingen.

Falls jemand den ersten Tag vermisst: den habe ich verpasst.

R@lf G. Landmesser

Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Druckausgabe der GWR. Schnupperabos zum Kennenlernen gibt es hier.