Anarchismus und reproduktive Selbstbestimmung

 446/447 februar/märz 2020 Antje Schrupp

Neue Menschen können nur zur Welt kommen, wenn andere Menschen schwanger werden und gebären – das ist eine biologische Tatsache. Ebenfalls eine biologische Tatsache ist, dass nur etwa die Hälfte aller Menschen schwanger werden kann und die andere Hälfte nicht. Diese reproduktive Differenz erfordert politische Aushandlungen: In welchem Verhältnis steht die individuelle Entscheidung einer Person, schwanger zu werden (oder nicht), zu den Interessen der Allgemeinheit? Welche Pflichten und Rechte haben Schwangere oder potenziell Schwangere? Sind sie zum Beispiel verpflichtet, die Schwangerschaft zu Ende zu führen, obwohl dies ein körperlich belastender und möglicherweise sogar gefährlicher Vorgang ist? Haben sie einen Anspruch auf Entschädigung für die damit verbundenen Einschränkungen, Mühen und Risiken? Weiterlesen

Nicht um Heimat geht es, sondern um Zugehörigkeit

 439 mai 2019 Antje Schrupp

Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah (Hg.): Eure Heimat ist unser Albtraum. Beiträge von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun u.a.. Ullstein, München 2019, 208 S., 20 Euro Weiterlesen

Ein fauler Kompromiss

Jetzt erst recht! Der Kampf für die Abschaffung des § 219a ist noch wichtiger geworden

 437 märz 2019 Antje Schrupp

Der Paragraf 219a Strafgesetzbuch (StGB) wurde 1933 von den Nazis eingeführt. In ihm heißt es unter der Überschrift „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ in Absatz 1: „Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Seit Jahren kämpfen Feminist*innen für die Abschaffung dieses frauenfeindlichen Relikts aus der Nazizeit. Ende Januar 2019 beschloss die Bundesregierung nicht die Abschaffung des Paragrafen, sondern einen „Kompromiss“, den Antje Schrupp hier für die GWR kommentiert. (GWR-Red.) Weiterlesen

Kapitalismus aufheben

Simon Sutterlütti, Stefan Meretz: Kapitalismus aufheben. Eine Einladung, über Utopie und Transformation neu nachzudenken

 433 november 2018 Antje Schrupp

Gibt es heute noch linke Kapitalismuskritik? Sicher, gegen Kapitalismus sind viele, aber wie genau er überwunden werden könnte, dazu gibt es kaum aktuelle Theorien. Simon Sutterlütti und Stefan Meretz versuchen mit ihrem Buch „Kapitalismus aufheben“ diese Lücke zu schließen, oder besser gesagt, die Voraussetzungen dafür zu umreißen, die erfüllt sein müssen, damit diese Lücke geschlossen werden … Weiterlesen

Utopie gemeinsam und solidarisch leben

Janina Rott und Bernd Drücke (GWR) im Gespräch mit der Kommunardin Bettina Kruse (Kommune Hof Rossee)

 393 november 2014 Interview: Janina Rott und Bernd Drücke

Es gibt immer mehr Menschen, die sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können oder die es satt haben, isoliert in teuren Wohnungen zu leben, in Häusern, wo keiner keinen kennt und im Fahrstuhl jede lieber allein ist. Anders leben, wie geht das? Dass man solidarisch, selbstorganisiert, kollektiv wohnen kann, zeigen auch die im Kommuja-Netzwerk organisierten politischen Kommunen ((1)). Bettina Kruse (*1975) lebt in der Kommune Hof Rossee ((2)) bei Eckernförde. Sie ist häufige Autorin der Graswurzelrevolution und Mitherausgeberin des soeben erschienenen Kommunebuchs, in dem über kommunitäre Lebenszusammenhänge, Ziele, Standpunkte, Hoffnungen, aber auch über Probleme und Auseinandersetzungen innerhalb der Kommuneszene berichtet wird: "Der Wunsch, herrschaftsfreie Räume zu schaffen, die sowohl individuelle Entfaltung ermöglichen als auch kollektive Kräfte freisetzen und den Weg zu wirkmächtigen Alternativen öffnen, ist zeitlos wie aktuell. Und so nötig wie nie zuvor." ((3)) Am 26. September interviewten GWR-Praktikantin Janina Rott und GWR-Redakteur Bernd Drücke im Studio des Medienforums Münster die telefonisch aus Barkelsby (Schleswig-Holstein) zugeschaltete Kommunardin. Das Interview wurde am 10. Oktober 2014 als Radio Graswurzelrevolution-Sendung im Bürgerfunk auf Antenne Münster (95,4 Mhz., www.antennemuenster.de) ausgestrahlt und erscheint hier in einer überarbeiteten Druckversion. (GWR-Red.) Weiterlesen