Antisemitismus in Deutschland

74 Jahre nach Ende der Shoa

 440 juni 2019 Horst Blume

„Nun schacher nicht wie ein Jude, gib mal ordentlich Rabatt“, hörte ich einen Kunden zu meinem Chef bei der Preisverhandlung für ein Produkt sagen. Als kaufmännischer Lehrling saß ich daneben und spitzte meine Ohren. Dies geschah 1977, als zur gleichen Zeit der langjährige Skandal um Rainer Werner Fassbinders Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ gerade seinen ersten Höhepunkt überschritten hatte. Dem Regisseur wurde vorgeworfen, er bestärke mit seinem Stück und der dort auftretenden Figur des „reichen Juden“ judenfeindliche Ressentiments. Seit 1945 bestehen bis heute antisemitische Einstellungen in unterschiedlichen Ausformungen in Deutschland fort. Viele Untersuchungen belegen seit Langem einen Prozentsatz von etwa 20 Prozent latent antisemitischer Einstellungen in der Bevölkerung (1). Unter anderem bedingt durch den verstärkt auftretenden Rechtsradikalismus und den Aufstieg der extrem rechten AfD kommt es aktuell vermehrt zu antisemitischen Übergriffen. Weiterlesen