antifaschismus

Graswurzelrevolution vs. AfD

Nachdem der thüringische Verfassungsschutz die GWR als Quelle genutzt hat, um zu begründen, dass die AfD ein Prüffall ist, wurde diese Zeitung zum Feindbild der rechtsextremen Partei

| Nicolai Hagedorn

Collage: BD/GWR

Die AfD legt sich wirklich ins Zeug. Collagen werden erstellt, fiese Beschimpfungen ausgedacht, und sogar Chef-AfDer Björn Höcke fühlt sich bemüßigt, ein an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbietendes Video zu erstellen, in dem er die Graswurzelrevolution fälschlicherweise „Graswurzelbewegung“ nennt und sogar im Landtag bezeichnet er die GWR, ohne sie noch einmal beim Namen zu nennen – der war dann wohl doch zu schwer zu merken – als „linksextreme Publikation“ und die ganze Sache als „skandalös“.

Was die Herren so in Rage bringt?

In der September-Ausgabe der GWR war unter dem Titel „Björn Höckes faschistischer Fluss – Der völkische Machiavellismus des AfD-Politikers“ ein Artikel erschienen, in dem sich GWR-Autor Andreas Kemper mit dem Höcke-Buch „Nie zweimal in denselben Fluss” auseinandersetzte und feststellte, dass die Lektüre den „Gesamteindruck einer faschistischen Agenda” bestätige. Aus dieser gut recherchierten Analyse des Soziologen Kemper zitierte später der Leiter des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, in einer unter anderem von den Tagesthemen gezeigten Presseerklärung, um damit die Beobachtung der AfD in Thüringen durch den Verfassungsschutz zu begründen. Und man mag es der Behörde, die, daran ändert die weise Quellenwahl in diesem Fall nichts, wie alle anderen Geheimdienste abgeschafft gehört, durchaus nicht verdenken, dass offenbar kein Beamter aufzutreiben war, der sich bereiterklärt hätte, Höckes Buch zu lesen.

Auf Twitter verbreitete die AfD-Fraktion Thüringen dann einen Tweet, in dem sie eine selbst gebastelte Collage eines die Graswurzelrevolution lesenden VS-Chefs Kramer unter dem Titel „Verfassungsschutz macht sich linksextremes Gedankengut zu eigen“ zeigt, sowie den Text: „Der Präsident des Thüringer Verfassungschutzes, @Stjkramer, erhob einen Text der anarchistischen & linksextremistischen ‚#Graswurzelrevolution‘ zur offiziellen Stellungnahme seines Landesamtes.“

Jörg Henke, der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, warf dem GWR-Text bei einer Sitzung des thüringischen Landtags ohne Belege für seine freche Behauptung zu liefern, Fehlerhaftigkeit vor: „Der Präsident des Thüringer Amtes für Verfassungsschutz macht sich die verfälschten Argumente eines linksextremen Schmierblatts zu eigen, um Deutschlands größte Oppositionspartei ins Visier zu nehmen.“

„Wartet es nur ab. Wenn AfD an die Macht kommt, werden die alle wie die Kakerlaken kriechen. Und dann bitte nicht nicht aufheben, sondern zertreten. 🖕“ (Facebook-Kommentar)

Unter den verschiedenen Facebook- und Twitterposting-Kampagnen der AfD, denen sich die Bundestagsfraktion anschloss, kam es erwartungsgemäß zu allerlei antisemitischen, rassistischen und faschistischen Ausfällen und Drohungen gegen die GWR.

Am 23. September schließlich beschrieb, nun kamen alle aus ihren braunen Löchern, die BILD am Sonntag in ähnlichem Ton die „linksextreme“ Graswurzelrevolution: „Die Anarcho-Postille kämpft seit 1972 für die Abschaffung UNSERES Staates.“

Und wer wollte da nicht dabeisein?

Nicolai Hagedorn

 

Ausführliche Berichte und Analysen in der monatlich erscheinenden Druckausgabe der GWR. Probabos gibt es hier.